Wie Handystrahlen das Gedächtnis beeinflussen

In der Schweiz gibt es kaum mehr Jugendliche, die kein Handy oder Smartphone besitzen. 98 Prozent der Aufwachsenden nutzten es für WhatsApp, Facebook oder zum Telefonieren.

Bruno Knellwolf
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Das Handy am Ohr strahlt. (Bild: ky)

Das Handy am Ohr strahlt. (Bild: ky)

In der Schweiz gibt es kaum mehr Jugendliche, die kein Handy oder Smartphone besitzen. 98 Prozent der Aufwachsenden nutzten es für WhatsApp, Facebook oder zum Telefonieren. Zwei Doktorandinnen von Swiss TPH, dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut, haben den Zusammenhang zwischen Handynutzung bei Jugendlichen und Einflüssen auf die kognitive Leistungsfähigkeit, das Verhalten und die gesundheitsbezogene Lebensqualität untersucht.

Katharina Roser und Anna Schöni werteten die Nutzungsdaten in einer vom Nationalfonds geförderten Studie von rund 500 jungen Menschen der 7. und 8. Klassen über zwölf Monate hinweg aus.

Strahlendosis einzeln bestimmt

Die beiden Doktorandinnen gehören zur Arbeitsgruppe Hermes von Professor Martin Röösli, der die Studie leitete: «Dank diesen Daten der Mobilfunknutzung der Betreiber konnten wir die individuelle Strahlendosis jedes einzelnen Studienteilnehmers objektiv berechnen.» So konnte die Strahlendosis für das Gehirn und den ganzen Körper bestimmt werden.

Die Analyse der Daten zeigt, dass die hauptsächliche Strahlendosis fürs Gehirn vom Telefonieren stammt. Nur zu einem Viertel tragen andere Quellen wie der Datenverkehr über WLAN und Mobilfunk dazu bei.

Anders verhält es sich bei der Ganzkörperbestrahlung. Da spielen Notebooks und Tablets mit rund 35 Prozent eine zentralere Rolle, wie im Jahresbericht des Tropeninstituts zu lesen ist. «Der Hauptanteil der Strahlenbelastung stammt von den individuell benutzten Geräten», hält Röösli fest. Die in der Elektrosmog-Debatte oft erwähnte Gefahr von Mobilfunkantennen spielt gemäss dieser Studie eine untergeordnete Rolle.

Nächtliche Schlafstörung

Untersucht wurde auch der Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis sowie auf Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und körperliches Wohlbefinden. Gemäss den Hermes-Untersuchungen von Swiss TPH führten nächtliche Handystörungen tatsächlich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Müdigkeit, rascherer Erschöpfung, Kopfweh und Unwohlsein bei den Jugendlichen. Allerdings liess sich dabei gar kein Zusammenhang mit der Strahlung feststellen – eher wird vermutet, dass die durch das Smartphone verursachte Schlafstörung das Unwohlsein verursachte.

Einen Zusammenhang zeigten die beiden Forscherinnen aber zwischen der Strahlendosis und der Gedächtnisleistung. Werde das Handy direkt und häufig am Ohr gehalten, habe die elektromagnetische Strahlung tatsächlich einen Einfluss auf die Gedächtnisleistungen.