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Wie Google Wahlen mitentscheiden kann

Eine neue Studie aus den USA zeigt, dass die Ergebnislisten von Suchmaschinen das Wahlverhalten von Menschen beeinflussen können, die sich im Internet über Kandidaten informieren. Google könnte demnach unsere Wahlpräferenzen steuern und manipulieren.
Adrian Lobe
Ob der Demokrat Bernie Sanders von Google profitiert, ist nicht klar. (Bild: epa/Tannen Maury)

Ob der Demokrat Bernie Sanders von Google profitiert, ist nicht klar. (Bild: epa/Tannen Maury)

Der US-Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Hillary Clinton hat Mitbewerber Bernie Sanders distanziert, Donald Trump punktet in Umfragen mit einer rechten Raubeinrhetorik. Wer im November 2016 zum nächsten Präsidenten der USA gewählt wird, könnte nicht nur vom Ausgang der TV-Debatten abhängen, sondern massgeblich von Suchmaschinen. Robert Epstein, Psychologe am American Institute for Behavioral Research and Technology, behauptet: Google kann die Präferenzen unentschlossener Wähler um 20 Prozent verändern.

Versuch im Labor

Für seine Studie hat der Psychologieprofessor mit seinem Kollegen Ronald E. Robertson Erkenntnisse aus mehreren Experimenten zusammengefasst. In einem ersten Experiment luden die Wissenschafter 102 US-Amerikaner – nach Alter, Geschlecht und Überzeugung gut durchmischt – in ein Labor. Die Versuchsteilnehmer sollten die Spitzenkandidaten der australischen Parlamentswahl 2010, Tony Abbott und Julia Gillard, bewerten. Die Wahl ging äusserst knapp aus und wurde deshalb als Fallbeispiel gewählt.

15 Minuten Recherche

Zunächst wurden die Probanden befragt, welchen der Kandidaten sie sympathischer fänden beziehungsweise wen sie eher wählen würden. Das Ergebnis war relativ ausgewogen. Dann sollten die Teilnehmer 15 Minuten lang über die Kandidaten im Netz recherchieren. Dazu liessen die Wissenschafter aber nicht die richtige Google-Suchmaschine auf den Rechnern laufen, sondern einen manipulierten Dummy, der verzerrte Ergebnisse ausspuckte.

Nach der Recherche wurden die Probanden erneut befragt, welchen der Kandidaten sie besser fänden – wen sie wählen würden. Das Ergebnis zeigte eine statistisch signifikante Veränderung zugunsten des von den Suchtreffern gepushten Kandidaten. Der Effekt sei deutlich stärker als der bekannte Fox-News-Effekt, wonach Zuschauer des konservativen Fernsehkanals «Fox News» tendenziell ausgeprägtere konservative Einstellungen haben. Daraus folgerten Epstein und Robertson, dass die Suchmaschineneinträge nicht nur die Wahlpräferenz beeinflussen, sondern Wähler gleichsam manipulieren können.

Das Problem an dem Versuch war, dass er im Labor stattfand. Im Labor verhalten sich Probanden anders als am Wahltag an der Urne. Deshalb wiederholten die Wissenschafter das Experiment bei der indischen Parlamentswahl 2014, der mit 800 Millionen Wahlberechtigten grössten demokratischen Abstimmung der Geschichte.

Epstein und Robertson liessen 2150 zufällig ausgewählte, englischsprachige und noch unentschlossene Wähler eine Webrecherche durchführen. Obwohl die Probanden täglich mit der Kampagne konfrontiert waren, konnten die verzerrten Suchtreffer die Präferenzen um bis zu 20 Prozent verändern. «Bedenkt man, wie mächtig dieser Effekt ist, ist es möglich, dass Google den Gewinner der indischen Parlamentswahl entschieden hat», schreibt Epstein in einem Beitrag für das Magazin «Politico».

Algorithmen ändern lassen

Wenn Eric Schmidt, der ehemalige Google-Chef und neue CEO der Holding Alphabet, einen missliebigen Präsidentschaftsbewerber somit ausbooten wollte, könnte er kurzerhand die Algorithmen ändern lassen und so das Wahlverhalten mit beeinflussen. Vor dem Hintergrund der stets knappen Wahlergebnisse in Swing States könnte Google das Zünglein an der Waage sein. Epstein und Robertson warnen in ihrer Untersuchung, dass «unregulierte wahlbezogene Suchrankings eine signifikante Gefahr für das demokratische System einer Regierung darstellen können».

Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Suchmaschinen müssten staatlich reguliert werden. Das Problem ist, dass man diesen Manipulationseffekt kaum entlarven kann. Googles Algorithmen sind ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis, man weiss nur, dass sie 600mal im Jahr verändert werden.

Spiegel der Suchanfragen

Wahlbeobachter könnten zwar die Rankings überprüfen. Doch selbst wenn eine Analyse belegen würde, dass die Ranglisten verzerrt sind, könnte sich Google auf die Dynamik der Algorithmen und dahinter stehenden Marktmechanismen berufen. Der Konzern sagt, die Suchergebnisse spiegelten lediglich die Suchanfragen wider. Solange die Algorithmen nicht transparent sind, kann man Google schwer das Gegenteil beweisen. Laut Google Trend war der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump zwischenzeitig in 47 von 50 US-Bundesstaaten der am häufigsten gesuchte Kandidat. Ob ihn das in höhere Regionen der Suchrankings hievte, ist unklar.

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