Wie der Antisemitismus prägt

Die Judenhetze der Nazis war in höchstem Mass wirksam, und zwar bis heute. Das zeigt eine Untersuchung, an der die Universität Zürich beteiligt ist.

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Hans-Joachim Voth von der Universität Zürich und Nico Voigtländer von der Universität von Kalifornien in Los Angeles wollten wissen, wie eine extreme Indoktrination die Überzeugungen der Menschen für den Rest ihres Lebens formt – selbst wenn sie anschliessend in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft leben.

Massiv indoktriniert

Im Alltag und in der Schule des Dritten Reiches wurden die angebliche Überlegenheit der Arier und der Rassenhass sehr stark propagiert. Kinder und Jugendliche wurden auch durch Filme, Zeitungen, Bücher und durch Aktivitäten in der «Hitlerjugend» beeinflusst.

Was ist ein Extremist?

Gestützt auf die Umfragedaten der «Deutschen Allgemeinen Bevölkerungsumfragen» zeigte sich: Deutsche, die in den 1920er- und 1930er-Jahren geboren wurden, sind auch heute noch viel stärker antisemitisch als ältere oder jüngere Altersgruppen, schreiben die Forscher in einem US-Fachjournal.

Als Extremist definiert ihre Studie jemanden, der auf drei Fragen («Haben Juden zu viel Einfluss in der Welt?», «Sind die Juden an ihrer Verfolgung teilweise selber schuld?», «Versuchen Juden, ihren Opferstatus zu ihrem finanziellen Vorteil zu nutzen?») auf einer Skala von 1 bis 7 mit 6 oder 7 antwortet.

Dreimal so hoch wie normal

In den nach 1950 geborenen Jahrgängen liegt der Anteil an Extremisten nach dieser Definition bei etwa drei Prozent. Bei denjenigen, die in den 1930er- Jahren geboren wurden, ist der Anteil dreimal so hoch und liegt bei fast zehn Prozent. Und zwar vor allem dann, wenn sie in stark antisemitischen Regionen aufgewachsen waren. (sda)