«Wetzi's Trübli», St. Gallen: Oase am Altstadtrand

In die Reihe der berühmten Erststockbeizli passt das «Trübli» nicht ganz. Statt in die Höhe geht es hier vom Eingang und dem eigentlichen Gastraum mit Kachelofen und Buffet sogar noch einige Stufen hinunter.

Beda Hanimann
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"Zu Tisch" Picto (Bild: Beda Hanimann)

"Zu Tisch" Picto (Bild: Beda Hanimann)

In die Reihe der berühmten Erststockbeizli passt das «Trübli» nicht ganz. Statt in die Höhe geht es hier vom Eingang und dem eigentlichen Gastraum mit Kachelofen und Buffet sogar noch einige Stufen hinunter. Dort allerdings wartet eine Täferstube, die an Gemütlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Heimelig und einladend aber ist's auch im Parterre. Das «Trübli» von Ingrid und Jürgen Wetzold – oder einfach «Wetzi's Trübli» – ist eine Oase am Rand der Altstadt. Ortsfremde Laufkundschaft schafft es kaum bis hieher; eine Schar regelmässiger Gäste jedoch hat längst erkannt, dass sich die paar Schritte lohnen. Sie wissen auch, dass im Sommer ein wunderbar geschütztes Innenhöflein lockt.

Jürgen Wetzold bekocht seit über dreissig Jahren die Gallusstadt, anfangs im «Schwarzen Bären», dann im «Schlössli», im Poulet-Restaurant Marco Pollo im ehemaligen «Hecht», dann in der «Falkenburg». Die hat er inzwischen an seinen Sohn abgetreten, seit 2007 sind die Wetzolds im «Trübli».

Die Kunst der kleinen Küche

Die jetzige Wirkungsstätte ist kleiner und überschaubarer – aber was auf den Tisch kommt, verrät noch immer den Meister. Bei unserem Testbesuch sind es ein elegant angerichteter, knackiger Eisbergsalat mit lauwarmen Speckstreifchen und Parmesanspänen (9.50) und Kalbsleberli an Zwiebeln, Knoblauch und Kräutern mit Rösti (32.–): Die Zartheit der Leber harmoniert wundervoll mit der kräftigen Sauce. Als Gruss aus der Küche reicht Ingrid Wetzold ein Vitello tonnato. Dass es noch vor den Getränken aufgetragen wird, irritiert zuerst, passt aber zu Wetzolds Idee von Gastfreundschaft: Auch am Mittag, sagt er, komme erst mal die Suppe auf den Tisch, dann ist der hungrige Gast fürs erste versorgt.

Mit sicherer Hand pflegt Wetzold die Kunst der kleinen Küche. Die vier- bis fünfmal im Jahr wechselnde Karte hat auf einem A4-Blatt Platz. Das enthält Köstlichkeiten wie Schwartenmagen an Wetzi's Lieblingssauce (13.50) oder Carpaccio vom heimischen Rindsfilet mit Trüffelöl (18.50) als Vorspeisen. Zum Hauptgang gibt es etwa Thurgauer Mistkratzerli mit Gemüsegarnitur (36.50), irische Rindsfiletspitzen an Whiskyrahmsauce und Beilage nach Wahl (37.50) oder Black Tigers an indischer Currysauce (32.50). Derzeit locken ausserdem Spargeln, wahlweise mit verschiedenen Saucen (26.50) oder mit Fleisch (32.50 bis 38.50).

Der Gang in den Keller

Wetzolds Selbsteinschätzung ist nichts beizufügen: Er pflege eine bodenständige Küche, etwas leichter gemacht, sagt er. Dazu gehören auch teilweise vergessene Klassiker wie Kalbsnierli mit Senfrahmsauce (29.50). Oder auch mal, derzeit allerdings nicht auf der Karte, Kalbskopf und Kutteln. Eine Weinkarte gibt es nicht, die Gäste wählen selber im Keller. Oder lassen sich von Ingrid Wetzold einen Tropfen empfehlen. Aus dem europäischen Angebot gibt es immer etwa ein halbes Dutzend Flaschenweine offen.

Unser Eindruck: Die Wetzolds pflegen eine unkomplizierte Gastronomie, die auch ebenerdig hohen kulinarischen Ansprüchen gerecht wird.

Wetzi's Trübli, St. Gallen Ingrid und Jürgen Wetzold, Goliathgasse 37, Tel. 071 244 22 42 Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–14 Uhr und ab 17.30 Uhr Karte: Täglich 4 Mittagsmenus 19.50/26.50 (mit Suppe und Salat), Vorspeisen 9.50 bis 18.50, Hauptgänge 26.50 bis 45.–

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