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Wer versteuert die Kinderrente?

Kinderrente und Kinderabzug, selbstverwaltete Liegenschaften und Legate für Tierunterhalt: Am Steuertelefon hatte Steuerexperte José Muro vor einer Woche eine Fülle von Fragen zu beantworten. Eine kleine Auswahl.
José Muro vor einer Woche in den Räumen der Tagblatt-Redaktion. (Bilder: Hanspeter Schiess)

José Muro vor einer Woche in den Räumen der Tagblatt-Redaktion. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Kinderrente

Ich wohne in der Stadt St. Gallen, bin über 65 Jahre alt und geschieden. Seitens der AHV und der Pensionskasse erhalte ich jeweils eine Zusatzrente für meine sich in Ausbildung befindende Tochter. Meine Tochter lebt bei mir und besucht die Kantonsschule. Sie wurde letztes Jahr 18 Jahre alt und hat deshalb auch eine Steuererklärung 2014 erhalten. Wer muss nun diese Kinderrenten versteuern?

José Muro: Die Besteuerung von Renten richtet sich grundsätzlich danach, wem der Rentenanspruch zusteht. Kinderrenten, die aufgrund der Ausbildung auch nach der Mündigkeit ausbezahlt werden, stehen dem Elternteil zu, der die Altersrente bezieht. Somit sind diese Kinderrenten aus der 1. und 2. Säule durch Sie persönlich zu versteuern. Demgegenüber können Sie alle kinderrelevanten Abzüge (Krankenkassen-, Kinder- und allfällig Ausbildungskostenabzug) geltend machen. Zudem werden Sie zum steuerlich günstigeren Verheiratetentarif besteuert, da Sie als Alleinstehender mit Ihrem Kind zusammenleben und zur Hauptsache für den Unterhalt dieses Kindes aufkommen.

Der Vollständigkeit halber weise ich noch darauf hin, dass bei Waisenrenten eine andere Regelung besteht. Halbwaisenrenten sind ab dem Jahr, in welchem der Halbwaise volljährig wird, durch das Kind selbst zu versteuern. Bis zu diesem Jahr werden Halbwaisenrenten durch den Inhaber der elterlichen Sorge versteuert. Vollwaisen werden – ob minderjährig oder mündig – eigenständig besteuert.

Vermögensverwaltungs- kosten

Ich fülle die St. Galler Steuererklärung von Hand aus. Nun habe ich festgestellt, dass die Vermögensverwaltungskosten im Wertschriftenverzeichnis selbst in Abzug zu bringen sind. Wenn nun die Vermögensverwaltungskosten die Wertschriftenerträge übersteigen, kann ich auf der Seite 2 des Hauptformulars eine negative Zahl einsetzen oder muss ich einfach null eintragen?

José Muro: Diese Änderung wurde bereits bei der Steuererklärung 2013 eingeführt. Tatsächlich ist es so, dass hier eine negative Zahl ins Hauptformular übertragen werden kann. Die Steuerpflichtigen, die das Formular mit dem offiziellen Programm des Kantonalen Steueramtes St. Gallen erstellen, haben dies unter Umständen schon festgestellt, da der negative Betrag automatisch übertragen wird. Bitte beachten Sie, dass der Begriff der relevanten Vermögensverwaltungskosten im Steuerrecht enger als im allgemeinen Sprachgebrauch gefasst ist. Als Vermögensverwaltungskosten gelten nur notwendige Aufwendungen für die allgemein übliche Verwaltung des Privatvermögens durch Drittpersonen, welche mit der Erzielung von Einkommen in unmittelbarem Zusammenhang steht (zum Beispiel Depotgebühren). Nicht abziehen können Sie Auslagen im Zusammenhang mit der Anlage von Vermögenswerten (zum Beispiel Auslagen für Anlageberater, Kommissionen oder Spesen).

Die meisten Kantone kennen eine Pauschale, die zwischen 2 und 3 Promille des durch dritte verwalteten Wertschriftenvermögens beträgt, wobei oft eine Obergrenze von 6000 Franken zum Tragen kommt. Höhere Kosten können mit Nachweis effektiv geltend gemacht werden. Nach meiner Erfahrung sind die Kantone unterschiedlich grosszügig, wenn es um reine Bankkonti geht. Im Grundsatz können hier keine Vermögensverwaltungskosten in Abzug gebracht werden. Trotzdem lassen diverse Steuerämter hier oft auch den Pauschalabzug zu (vor allem bei geringen Kosten).

Legat für Tierunterhalt

Im letzten Jahr ist ein guter Freund von mir verstorben, der mir einen Betrag von 15 000 Franken vermacht hat. Dieses Legat ist zweckgebunden, da ich seinen Hund bei mir aufgenommen habe. Mit diesem Geld bezahle ich also den laufenden Tierunterhalt bis zum Tod des Hundes. Wie ist dies steuerlich zu beurteilen?

José Muro: Spezielle Regelungen gibt es bei der Verteilung von Nachlassvermögen lediglich im Bereich der sogenannten Grabunterhaltsfonds. Dies bedeutet, dass Sie dieses Legat im Wertschriftenverzeichnis mit allen notwendigen Angaben über den Erblasser und die Höhe des Legats deklarieren müssen. Aufgrund dieser Deklaration wird dann die Erhebung der Erbschaftssteuer geprüft. In St. Gallen wäre nach Abzug des Steuerfreibetrags von 10 000 Franken eine Erbschaftssteuer von 1500 Franken geschuldet. Ich persönlich würde darauf hinweisen, dass es sich um ein zweckgebundenes Legat handelt.

Kinderabzug bei Militärdienst

Mein Sohn machte im Jahr 2013 die Matura, absolvierte danach den Militärdienst als Durchdiener und nahm im September 2014 sein Studium an der Universität in Zürich auf. Die Steuerbehörde hat uns in der Steuererklärung 2013 den Kinder- und den Ausbildungskostenabzug gestrichen. Kann ich nun in der aktuellen Steuererklärung 2014 diese Abzüge geltend machen?

José Muro: Die Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen hat sich in einem Entscheid vom Frühling 2013 mit dieser Frage beschäftigt und dabei festgehalten, dass sich jemand, der den Durchdiener-Militärdienst absolviert, während dieser Zeit nicht in Ausbildung befindet. Deshalb wurden Ihnen bei der Steuerveranlagung 2013 die entsprechenden Abzüge verweigert. Kinderabzüge erhalten diejenigen Eltern, deren Kinder sich am Stichtag des betreffenden Steuerjahres (31. Dezember) in Ausbildung befinden. Zudem müssen die Eltern zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes aufkommen. Ende 2013 fehlte es an der Voraussetzung der Ausbildung.

Wenn Ihr Sohn seit der Aufnahme des Studiums im Herbst 2014 nicht über nennenswerte Einkünfte verfügt und Sie per 31. Dezember 2014 hauptsächlich für den Unterhalt Ihres Sohnes aufkommen, können Sie alle kinderbezogenen Abzüge geltend machen. Das Erwerbs- oder Ersatzeinkommen Ihres Sohnes während des Durchdiener-Militärdienstes ist nicht relevant.

Abgesehen vom Unterbruch eines Durchdieners, wo ein Soldat 300 Tage am Stück Militärdienst leistet, stehen Kinder dann durchgehend in der beruflichen Ausbildung, wenn sie den eigentlichen Ausbildungsgang nur vorübergehend unterbrochen haben. Der Unterbruch darf jedoch nicht grösseren Umfangs sein und sollte zweckgerichtet benützt werden, namentlich um Militär-, Zivil- oder Zivilschutzdienstpflicht oder ausbildungsbedingte Praktika zu erfüllen. Bei Kindern, die ihre Militärdienstpflicht – inklusive der Beförderungsdienste – in den Semesterferien erfüllen und ihre Ausbildung in der Regel für lediglich 18 beziehungsweise 21 Wochen unterbrechen, können die Eltern durchgehend Kinderabzüge geltend machen, wenn sie zur Hauptsache für den Unterhalt der Kinder aufkommen.

Selbstverwaltete Liegenschaften

Ich wohne in Frauenfeld und besitze ein Mehrfamilienhaus in Wil. Die Verwaltung dieses Mehrfamilienhauses verursacht mir diverse Kosten (Fahrkosten, Büro usw.). Kann ich diese Kosten steuerlich in Abzug bringen?

José Muro: Bei Vermietung und Verpachtung von Liegenschaften sind alle Aufwendungen des Eigentümers abzugsfähig, soweit sie nicht auf den Mieter oder Pächter überwälzt werden. Die typischerweise anfallenden Kosten sind die eigentlichen Besitzesabgaben (Liegenschaftssteuern, Sach- und Haftpflichtversicherungsprämien, Perimeterbeiträge) und die nutzungsbedingten Kosten wie Aufwendungen für Heizung (inklusive Kaminreinigung), Warmwasser, Kehrichtentsorgung, Gewässerschutz, Reinigung und Beleuchtung.

Die eigenen Verwaltungskosten können in Abzug gebracht werden, wenn sie nicht über die Heiz- und Nebenkostenabrechnung den Mietern weiterbelastet werden. Oft werden Verwaltungskosten mittels einer Pauschale von zwischen 3 und 5 Prozent der Heiz- und Nebenkosten in Rechnung gestellt. In Ihrem Fall müsste man nun prüfen, wie hoch die selbst getragenen Verwaltungskosten sind, indem Sie die gesamten Fahr-, Büro- und Verwaltungskosten ermitteln und die Weiterbelastung an die Mieter wiederum in Abzug bringen. Den Restbetrag können Sie steuerlich geltend machen.

Üblicherweise werden die Nettomieten als Einkommen versteuert und die nicht weiterbelasteten Kosten in Abzug gebracht. Sollten Sie die Mieten inklusive Heiz- und Nebenkosten als Einkommen versteuern, können sämtliche der oben aufgeführten Kosten samt Verwaltungsaufwendungen abgezogen werden. Diese Art der Deklaration ist dann vorgesehen, wenn Heiz- und Nebenkosten pauschal und nicht effektiv abgerechnet werden.

Unumgängliches Hilfsmittel: Der Rechner. (Bild: Hanspeter Schiess)

Unumgängliches Hilfsmittel: Der Rechner. (Bild: Hanspeter Schiess)

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