Wer mehr weiss, geniesst anders

Der deutsche Ernährungs- und Genussspezialist Udo Pini hat ein Handbuch über biologische Lebensmittelproduktion und Ernährung geschrieben: Eine ungemein fundierte und kompakte Darstellung des aktuellen Biowissens.

Beda Hanimann
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fc - bio

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Ein reich und pfiffig bebildertes Buch von über tausend Seiten Umfang mit einer Fülle von Informationen und kulinarischen Reminiszenzen, süffig geschrieben, gleichermassen Lexikon wie Anekdotensammlung: Das war vor fast fünfzehn Jahren Udo Pinis «Gourmethandbuch». Nun doppelt der deutsche Journalist mit einem Bio-Handbuch in gleicher Aufmachung nach.

Schon damals geizte Pini nicht mit Kritik und zynischen Bemerkungen, etwa was des Menschen Marotten im Umgang mit dem Essen anbetrifft. Doch der heitere Unterton dominierte. Den lässt Pini auch im neuen Werk mitschwingen, alles in allem aber geht es ernster zur Sache. Das hängt zusammen mit der stärkeren Fokussierung auf den einen Aspekt, eben das Biologische an unserer Nahrung und unserer Nahrungsproduktion – bzw. deren Gefährdung. Und da ist einem nicht immer ums Schmunzeln.

Beispiel Seehecht

Es ist unumgänglich, dass eine Vielzahl von Stichworten in beiden Büchern vorkommen. Doch Pini und sein Redaktionsteam gaben sich nicht mit oberflächlichen Ergänzungen zufrieden, das Bio-Handbuch ist ein neues, eigenständiges Werk. Ein Exempel: Den Seehecht stellt das Gourmethandbuch auf fünfzehn Zeilen als räuberischen Atlantik-Fisch vor, dessen zartes weisses Fleisch in jeder Zubereitungsart ausgesprochen köstlich sei. Knappe Information, die das Wesentliche vermittelt.

Im Biohandbuch widmet Pini dem gleichen Fisch 66 Zeilen. Darin kommt er zu sprechen auf die Überfischung der Meere, die Trickserei bei den Fangzahlen, die Piratenfischerei und die Verlagerung der Probleme von einem Meer ins andere sowie Massnahmenpakete der Welternährungsorganisation FAO.

Ein zweites Beispiel: Dem Nutzer mit reinen Gourmetabsichten erzählt Pini (neben Fakten zu den Stichworten Milch und Milchsäure) auch die Fabel vom Entstehen des Begriffs Milchmädchen. Im Bio-Handbuch gibt es stattdessen detaillierte Ausführungen zu den Themen Milchersatz und Milchkuh, wo dann auch von sogenannter Hornmilch, Turbo-Milchgebern und Eutererkrankungen die Rede ist.

Vier Jahre Recherchearbeit

Unter Stichworten von A wie Aale bis Z wie Zygophyllaceen führt Pini in die Welt der biologischen Lebensmittel ein, ein über dreissigseitiger Index erlaubt mannigfaltige Quereinstiege. Das Biohandbuch ist in vierjähriger Recherchearbeit entstanden und dürfte die umfassendste und kompakteste Sammlung des aktuellen Biowissens sein. Die sachliche Fundiertheit ist dabei nicht Negation von Genuss – im Gegenteil. Denn Pinis Devise lauter: Wer mehr weiss, geniesst anders.

Udo Pini: Das Bio-Food Handbuch, H.F. Ullmann 2014, 904 S., Fr. 35.50

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