Wenn Susan Graham Mahler singt

Wie ist so ein Dirigent, wenn er einmal nicht vors Publikum tritt? Wie ist er, wenn er mit seinem Orchester im Stillen arbeitet? Zum Beispiel für eine CD-Aufnahme? Das will ich im Oktober 2012 genauer erfahren.

Rolf App
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

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Wie ist so ein Dirigent, wenn er einmal nicht vors Publikum tritt? Wie ist er, wenn er mit seinem Orchester im Stillen arbeitet? Zum Beispiel für eine CD-Aufnahme? Das will ich im Oktober 2012 genauer erfahren. David Zinman ist mit dem Tonhalle-Orchester Zürich gerade dabei, Gustav Mahlers «Lied von der Erde» und die «Berceuse élégiaque» von Ferruccio Busoni einzuspielen. Dass ihm für genau diese Aufnahme drei Jahre später der Echo-Klassik-Preis zugesprochen würde, ist da nicht abzusehen.

Die Tonhalle ist umgebaut, das Orchester hat mehr Platz. Niemand ausser den Musikern darf im Saal sein. Umso grössere Betriebsamkeit herrscht nebenan, wo sich die Aufnahmeleiter Chris Hazell und Simon Eadon mit ihren Gerätschaften installiert haben. Mit ihrem sehr britischen Humor beseitigen sie rasch das Gefühl des Gastes auf der ein wenig ramponierten Couch, hier am falschen Platz zu sein. David Zinman kommt, erzählt von den neuesten Überschwemmungen in New York, dann macht er sich an die Arbeit. Immer wieder wird er mit seinen Musikern vorbeikommen und sich einzelne Passagen anhören. Bis der anspruchsvolle Hazell endlich zufrieden ist.

So geht die fleissige Detailarbeit über Stunden, bis Susan Graham eintrifft, die Mezzosopranistin aus dem amerikanischen Süden. Ihr helles Lachen und ihre munteren Geschichten vertreiben im Nu jede Müdigkeit, dann kehrt sie zurück in den Saal. Und singt dort mit einer Innigkeit Mahlers «Lied von der Erde», die sprachlos macht. Auch im Aufnahmezimmer ist es jetzt still geworden.