Wenn Fingerabdrücke glühen

Weil in sein Haus eingebrochen wurde, kam dem australischen Wissenschafter Kang Liang ein Geistesblitz: Er erarbeitete eine neue, einfachere Technik, um Fingerabdrücke zu nehmen.

Barbara Barkhausen
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Dank Kristallbildungen können Fingerabdrücke von Verbrechern schneller als bisher genommen werden. (Bild: CSIRO)

Dank Kristallbildungen können Fingerabdrücke von Verbrechern schneller als bisher genommen werden. (Bild: CSIRO)

Egal was Menschen anfassen, die Haut hinterlässt Spuren. Kein Fingerabdruck ist dabei der gleiche, weswegen Fingerabdrücke seit über hundert Jahren dazu verwendet werden, Diebe oder Mörder zu überführen.

Kristalle bilden Abdruck nach

Kang Liang, der bei der australischen Forschungsagentur CSIRO arbeitet, hatte sich bisher wenig Gedanken über die kriminalistischen Methoden gemacht, mit denen die Polizei Fingerabdrücke sicherstellt. Doch als er selbst Opfer eines Einbruchs wurde, fiel ihm auf, wie die Beamten auf glatten Oberflächen nach wie vor mit Pinsel und schwarzem Pulver arbeiteten, um nach Fingerabdrücken des Täters zu suchen.

Liang war der Überzeugung, dass es eine einfachere Methode geben müsse und fing an zu experimentieren. Heraus kam eine neue Methode, bei der er eine mit Kristallen versetzte Flüssigkeit auf die jeweiligen Oberflächen tröpfelt. «Diese Kristalle binden sich an die Rückstände eines Fingerabdrucks, darunter Proteine, Peptide, Fettsäuren und Salze, und kreieren so eine ultradünne Schicht, die eine exakte Kopie des Musters ist», schreibt die Forschungsagentur CSIRO.

Sichtbar wird das Muster der Fingerabdrücke nach etwa 30 Sekunden mit Hilfe von UV-Strahlung. Im Lichtschein glühen die Abdrücke geradezu und lassen sich so leicht abfotografieren und damit in Echtzeit mit anderen in der Polizeidatenbank abgleichen. Liang, der seine Forschung jetzt im Fachmagazin Advanced Materials veröffentlichte, hofft, dass seine neue Methode die bisher üblichen teilweise ablösen und beschleunigen könnte. «Weil das Ganze auf einem molekularen Level arbeitet, ist es sehr genau und verringert das Risiko, den Abdruck zu beschädigen», sagte Liang. Einzige Voraussetzung ist derzeit jedoch noch, dass es sich um glatte Oberflächen handelt wie Fenster, ein Weinglas, Metallklingen oder Lichtschalter. Für Papier, Stoff, unebene Flächen oder Blut müssen nach wie vor andere Methoden zum Einsatz kommen.

Lange Geschichte

Die Identifikation von Verbrechern durch Fingerabdrücke ist über hundert Jahre alt. Mehrere Wissenschafter beschäftigten sich schon damals mit dem Thema, doch erfolgreich zum Einsatz bei der Verbrechensaufklärung kam der Fingerabdruck erstmals 1892 in Argentinien. Dort ereignete sich damals ein Doppelmord, bei dem ein sechsjähriger Junge und seine kleinere Schwester ums Leben kamen. Die Mutter beschuldigte zunächst den Nachbarn. Der hatte jedoch ein Alibi und so untersuchte die Polizei einen Fingerabdruck in einem Blutfleck am Tatort näher. Dieser stimmte mit der Mutter überein, die daraufhin den Mord gestand.

Mit Liangs Methode könnte die Aufklärung eines Verbrechens nun nochmal schneller gehen. Der Einbrecher, der Liangs Haus überfallen hat, konnte mit seiner neuen Methode zwar noch nicht zur Strecke gebracht werden. Trotzdem kam der Wissenschafter noch verhältnismässig unbeschadet weg. Liang glaubt, dass er den Gauner vielleicht noch gerade rechtzeitig gestört hat, da nicht allzu viel Schaden angerichtet war.