Weiss passt immer

Der Mai ist der Hochzeitsmonat. Zum Fest gehören auch Geschenke für das Brautpaar. In südlichen Ländern kehren die Verliebten diesen Brauch um: Sie überraschen die Gäste – mit einer Bomboniera, an der Zuckermandeln hängen.

Sarah Coppola-Weber
Drucken
Teilen
Schlicht in Tüll: So mögen es die Schweizer, wenn sie denn Bomboniere bestellen. (Bild: fotolia)

Schlicht in Tüll: So mögen es die Schweizer, wenn sie denn Bomboniere bestellen. (Bild: fotolia)

Zu einer echten italienischen Hochzeit gehört neben einer grossen Torte die Bomboniera, ein Mitgebsel für die geladenen Gäste – als Dankeschön für ihr Kommen. An dem kleinen Andenken aus Keramik, Gold oder Silber sind fünf sogenannte Confetti, Zuckermandeln, sowie ein Kärtchen mit dem Namen der Gefeierten und dem Datum des Festes angebracht.

Die Zuckermandeln stehen symbolisch für fünf wichtige Dinge: Gesundheit, Fruchtbarkeit, ein langes Leben, Glück und Reichtum. Unterdessen gibt es die Zuckermandeln in allen Farben und Geschmacksrichtungen. Wobei die Farbe meist vorgegeben ist. Weiss passt immer, aber vor allem zur Hochzeit, Erstkommunion und Firmung. Rot ist dem Diplomabschluss vorbehalten, Hellblau und Rosa der Taufe.

Mandeln mit Peperoncino

In Sachen Geschmack liegen derzeit Zitronenlikör, Waldbeeren oder Nougat im Trend. Aber auch Weinbeeren mit schwarzer Schokolade, Peperoncino oder Pistazien, wie Antonio Di Bacco von der Firma Di Sulmona in Sulmona bei Aquila in der zentralitalienischen Region Abruzzen sagt, wo die Geschichte der Zuckermandeln ihren Anfang nahm. Der Klassiker, Mandeln in eine Zuckerschicht gehüllt, sei aber immer noch am beliebtesten: «Er schmeckt auch gesundheitsbewussten Leuten, da Mandeln viele Antioxidantien enthalten.» Schon die Römer kombinierten Süsses mit Bitterem und assen Mandeln mit Honig. Für die Herstellung werden heute qualitativ hochwertige sizilianische Mandeln verwendet. Die Gesamtproduktion umfasse fünfzig bis sechzig Geschmacksrichtungen. «Der neueste Schrei sind likörhaltige Confetti, die mit Fruchtaroma kombiniert werden, etwa Rum mit Birne», sagt Di Bacco.

Daheim noch ans Fest denken

Was bei den Zuckermandeln die Geschmacksrichtungen, sind bei den Bomboniere die Formen und Modelle: Es gibt unzählig viele Varianten dieses Geschenkes in Miniaturform – in allen Preislagen. Manchmal gibt das Hochzeitspaar nur kleine Blickfänger zur Dekoration ab, manchmal aber auch Gebrauchsgegenstände wie Schlüsselanhänger, Bilderrahmen, Aschenbecher oder Salz- und Pfefferstreuer. Diese Erinnerungsstücke füllen in italienischen Wohnungen bald ganze Vitrinen. Je grösser die «famiglia», desto mehr Feste und folglich Bomboniere, so einfach lautet die Formel.

Auch in der Ostschweiz kann man Bomboniere kaufen: Die Italienerin Dora Fragale hat viele Jahre lang in St. Gallen ein Geschäft betrieben, und einige ehemaligen Kunden – allen voran Italiener – sind Freunde geworden. Doch stellt sie fest, dass die jungen Generationen am Brauch kaum mehr Gefallen finden. Falls sich Schweizer für Bomboniere entscheiden, «dann wollen sie diese lieber selber machen», sagt Fragale. Am gefragtesten seien Kristallfiguren mit Gravur, Objekte aus Silber und Muranoglas. «Heute schenkt man zudem vermehrt Objekte für den Alltagsgebrauch, etwa Bilderrahmen oder Zuckerdosen.»

Schweizer mögen es einfach

Das bestätigt auch Belen Staunovo, Inhaberin des Amriswiler Geschäfts La Tua Bomboniera: «Runde Keramikvorratsdosen laufen derzeit sehr gut.» Auch Kristallobjekte verkaufe sie gut, und die Erinnerungsschöggeli mit Foto und Datum seien immer ein Renner. Schweizer bekommt Staunovo in ihrem Geschäft selten zu Gesicht; zu ihren Kunden gehören vor allem Italiener, Spanier, Portugiesen und Kroaten. Oder binationale Paare. Wenn Schweizer doch mal Bomboniere bestellen, sei meist ein positives Erlebnis der Auslöser gewesen: Sie seien selber an einem Fest mit einem Gastgeschenk überrascht worden. «Schweizer Paare investieren üblicherweise nicht so viel Geld in Bomboniere und entscheiden sich meist für etwas Einfaches, zum Beispiel in Tüll oder Plexiglas-Schächtelchen gepackte Zuckermandeln», sagt Staunovo. Die mit einem Italiener verheiratete Venezuelanerin beliefert Hochzeitsgesellschaften bereits seit sieben Jahren mit Bomboniere: «Feste zu feiern ist wichtig, und dieser Brauch unterstreicht deren Exklusivität.»

Aktuelle Nachrichten