WEIHNACHTSZEIT: Die Geschichte der Kerze: Vom Luxusgut zum Massenartikel

Winter und Weihnachten sind unvorstellbar ohne das warme, angenehme Licht einer Kerze. Wer die Kerze erfunden hat, ist nicht bekannt. SIcher ist aber, dass die Geschichte der Kerze das tägliche Leben der Menschen massgeblich beeinflusst hat.

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Bild: Sandra Näf

Bild: Sandra Näf

Die ersten Kerzen: Schon seit Jahrtausenden kennen Menschen kerzenähnliche Lichter aus Fett und Harz. Wer die Kerze erfunden hat, ist nicht bekannt. Die Weiterentwicklung dieser frühen «Kerzen» wird den antiken Römern zugeschrieben. Die älteste noch erhaltene Wachskerze stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Im Mittelalter waren Kerzen aus Bienenwachs dem Klerus und dem Adel vorbehalten. Alle andern benutzten Kerzen aus Rinderfett oder Hammeltalg. Diese verursachten einen ranzigen Geruch und qualmten und russten entsprechend. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hielten die Bienenwachskerzen auch in den Häusern wohlhabender Bürger Einzug. Im 19. Jahrhundert entdeckten Chemiker die Rohstoffe Paraffin und Stearin. Das geruchlose Paraffin war ein Segen für die Kerzenherstellung, da es sauber und gleichmässig brannte und günstiger herzustellen war. Mit der industriellen Produktion wurden Kerzen auch für das Volk erschwinglich. Mit der Erfindung der Glühbirne 1879 verlor die Kerzenherstellung an Bedeutung. Heute schätzen wir die Kerze umso mehr als Dekorationsartikel, Stimmungsbereiter und Geschenk.

Bienenwachs:Im Mittelalter entwickelte sich die Kerzentechnologie vor allem auf Basis des Bienenwachses. Der Bedarf der Kirche führte dazu, dass Bienenwachs zu einem wichtigen Handelsgut wurde. Heute besteht noch jede fünfzigste Kerze aus dem crèmeweissen, bernsteinfarbenen bis braunen Rohstoff. Für ein Kilo Wachs braucht es 150 000 Bienen. Der kostbare, duftende Stoff stammt aus der Wachsdrüse der Insekten, chemisch lässt er sich nicht imitieren. Bienenwachs für Kerzen kommt meist aus Russland, Süd- und Nordamerika sowie Australien.


Kerzenuhr: Kerzenuhren wurden im Mittelalter in Klöstern eingesetzt. Eingezeichnete Striche bezeichneten die Stunden – eine Zeitmessung, die auf der Verbrennung von Wachs beruhte. Die Kerzenuhr ermöglichte dem Läutbruder das pünktliche Gebetläuten auch dann, wenn er nächtens die Zeit nicht vom Sonnenstand ablesen konnte, oder im Winter, wenn die Wasseruhr eingefroren war.

Schweizer lieben Kerzen: In der Schweiz werden pro Jahr 20 000 Tonnen Kerzen verbraucht. Mit einem Pro-Kopf-Konsum von fast drei Kilo hält unser Land in Europa Platz drei hinter Norwegen und den Niederlanden. Dies entspricht etwa 215 Teelichtern. Allerdings stehen die Schweizer Kerzenhersteller, von denen es noch rund zehn gibt, unter Druck von Importen, die 80% des Verkaufsvolumens ausmachen.


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