Was macht das Pferd in der Wohnung?

Ein Blog versammelt skurrile Fotos von Immobilien, die zur Miete und zum Kauf ausgeschrieben sind. Einige Fotos lassen sogar bunte Badezimmer aus den 80er-Jahren richtig langweilig aussehen. Und andere sind einfach nur skurril.

Lukas G. Dumelin
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Demonstriert das Pferd auf dem Foto die Naturnähe der Immobilie? (Bild: pd)

Demonstriert das Pferd auf dem Foto die Naturnähe der Immobilie? (Bild: pd)

Wer sucht, der findet im Internet natürlich auch freie WG-Zimmer und Wohnungen. Doch in manchen Inseraten wird tüchtig geschwurbelt: Die «hübsche Dachwohnung» hat bestimmt viele Dachschrägen. In einer «tollen Zweck-WG» will keiner den andern sehen. Ein «Liebhaberobjekt» verspricht grossen Sanierungsaufwand und ein «Schnäppchen» drückt den Wunsch des Vermieters aus, die Wohnung endlich zu vermieten.

Einblicke in fremdes Leben

Zum Glück gibt es Inserate mit Fotos, die einen ersten Eindruck geben: ob der Schrank in der Dachwohnung Platz haben könnte, ob die WG wohnlich eingerichtet ist und ob die Bausubstanz in Ordnung zu sein scheint. Die Fotos zeigen aber auch, wie die Menschen, die ausziehen werden, ihre Wohnung eingerichtet haben. Es sind Einblicke in fremde Leben – und oft auch Einblicke in die Geschichte der Innenarchitektur. Schliesslich gibt es noch immer unzählige Badezimmer aus den 80er-Jahren, gefliest in allen schrecklichen Farben: giftgrün, durchfallbraun, schrillorange. So sah einst die Zukunft aus.

Aber es geht schlimmer. Das zeigt der Blog «Terrible Real Estate Agent Photographs» (schreckliche Maklerbilder), der Fotofundstücke von Immobilienportalen versammelt. Die Echtheit der Bilder lässt sich nicht überprüfen, aber skurril sind sie auf alle Fälle. So stehen in einem Bad zwei Kloschüsseln nebeneinander. In einer Stube scheint ein Sturm gewütet zu haben – so zerstört sieht sie aus. In einer Wohnung steht ein Pferd im Gang. Ein Haus ist derart miserabel fotografiert worden, dass man glaubt, nicht das Land sei schräg, sondern das Haus. Und die Bildlegende des Bildes einer Stube mit altrosa Vorhängen, grünen Wänden und Teppich mit Tigerköpfen drauf lautet ironisch: «Um Käufer anzusprechen, streiche Wände in neutralen Tönen und vermeide knallige Farben. Oder lasse jeden Raum so aussehen, dass er eine Migräne auslöst. Deine Wahl.»

Betrüger setzen auf Bilder

Vieles ist so eigenartig, dass es Makler besser nicht fotografieren sollten. Sie tun es trotzdem – und dann kommt auch der Daumen mal mit aufs Bild, manchmal auch das Spiegelbild eines Mannes, der Flöte spielt. Eine Frau, die auf dem Fensterbrett herumhampelt – oder ein Pferd, das dem Bildbetrachter entgegengrinst. Obwohl die Fotos ehrlich sind, schrecken sie Mieter und Käufer ab. Denn die wollen ein bisschen träumen – und stehen auf schöne Bilder.

Die deutsche Wirtschaftszeitung «Handelsblatt» hat kürzlich berichtet, dass schöne Fotos vermehrt Wohnungen zeigen, die es an der entsprechenden Adresse gar nicht gibt. Sobald man den Vermietern schreibe, mailten die zurück, sie seien leider im Ausland und stellten den Schlüssel gegen eine Kaution in Höhe einer Monatsmiete zu – was sie dann nicht täten. Diese Betrüger profitieren von der angespannten Wohnungssituation in vielen Städten. Auch die Betreiber von www.wg-gesucht.ch warnen ihre registrierten Benutzer, die ein Zimmer suchen, vor ähnlichen betrügerischen Angeboten.

Tips für gute Aufnahmen

Im Gegensatz zu manchem Makler wissen Betrüger nämlich, dass attraktive Bilder grosses Interesse auf sich ziehen. Gute Bilder kann man aber auch selber machen. Am wichtigsten ist, zuerst einmal aufzuräumen – und dann zu warten, bis viel Licht in die Wohnung fällt. Geht man in der Ecke in die Hocke, wirken Räume grösser und zudem ist die Perspektive ungewohnt. Wer diese Tips befolgt, findet bestimmt einen Nach- oder Untermieter – und das Bild landet nicht auf einem skurrilen Blog.

terriblerealestateagentphotos.com