«Was er tat, war extrem persönlich»

Emil Steinberger (83) gehört zur gleichen Generation grosser Schweizer Künstler wie Dimitri. Der Komiker formuliert, was Dimitris Kunst ausmacht, und er erinnert sich daran, wie er ihn für sein Luzerner Kleintheater gewinnen konnte.

Arno Renggli
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Emil Steinberger, Dimitri ist tot, was sind Ihre Gedanken dazu?

Emil Steinberger: Die Schweiz hat mit ihm ein Juwel verloren. Ich habe starke Erinnerungen an ihn. Etwa dass er ein wunderbarer Zuhörer war, der einen mit grossen Augen anschaute und hin und wieder sein berühmtes Lachen zeigte.

Wie schätzen Sie ihn als Künstler ein?

Steinberger: Den Künstler kann man vom Menschen nicht getrennt betrachten. Dimitri war keine reine Kunstfigur, was er tat, war extrem persönlich und eigenständig, nur er konnte das. Es ist eine sehr subtile Kunst, weit weg von Schenkelklopfkomik. Sondern sehr einfühlsam. Als gemeinsamen Nenner seiner Kunst kann man vielleicht die Fröhlichkeit bezeichnen, die er überall zeigte.

War er einfach ein grosses und extrem vielseitiges Talent?

Steinberger: Nicht nur. Dimitri hatte auch eine solide technische Seite, war gut ausgebildet, übte etwa auf seinen Instrumenten jeden Tag. Und die Dramaturgien der Bühnenprogramme hat er schon sehr genau konzipiert.

Er hatte also auch viel Disziplin.

Steinberger: Ja, aber er besass zugleich jene Leichtigkeit, die es braucht, um Projekte wie etwa das eigene Theater einfach anzugehen und sich von mahnenden Stimmen nicht lähmen zu lassen. Ich kenne das selber, als ich mit dem Kleintheater startete. Wenn man da auf jeden hören und alles abwägen würde, käme so etwas nie zustande.

Sie erwähnen das Kleintheater Luzern, wo Dimitri oft aufgetreten ist. Schon in den Anfängen, als Sie noch Leiter waren?

Steinberger: Dimitri trat Ende der Sechzigerjahre im damaligen Stadttheater Luzern auf. Ich wollte ihn aber unbedingt ins Kleintheater kriegen. So wartete ich einmal nach einer Vorstellung vor dem Stadttheater auf ihn. Er kam schliesslich, und ich rechnete ihm vor, dass er mit zehn Auftritten im Kleintheater mehr Leute ansprechen würde als im Stadttheater. Er sagte zu, und die zehn Aufführungen waren ein voller Erfolg.