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Was die Wahrheit wert ist

Lesbar Jugendbuch

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Lauren Wolk: Das Jahr, in dem ich lügen lernte. Ab 12, Hanser 2017, 272 S., Fr. 23.50

Der Titel hat Verführungspotenzial: Das Buch lag nicht lange unauffällig auf der Treppe, schon war es im Kinderzimmer verschwunden, und mit ihm die elfjährige Tochter. Stundenlang. Mit «Lügen» sind in Lauren Wolks Roman keineswegs die harmlosen Schwindeleien gemeint, durch die sich Kinder unter zehn ihre unkontrollierten Freiräume sichern. Schon gar nicht die Auswüchse unbändiger Fantasie in einem Alter, in dem noch alles denkbar scheint. Vielmehr steht Annabelle, die Heldin der Geschichte, am Scheideweg zwischen behüteter Kindheit und Erwachsenwerden. Der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten auf die ländliche Idylle in der amerikanischen Provinz, der Erste ragt mit seinen Folgen ebenfalls noch in die Geschichte hinein: in Gestalt des schweigsamen, menschenscheuen Einsiedlers Toby. Jäh endet die Beschaulichkeit, als Betty aufkreuzt, eine neue Mitschülerin. Sie gilt als «schwer erziehbar», bedroht und terrorisiert die Kinder. Schlimmer noch: Sie setzt Gerüchte in die Welt, sät Misstrauen und bringt Annabelle in schwere Gewissenskonflikte. Lauren Wolk lässt Annabelle rückblickend erzählen; man ahnt, dass die Dinge sich tragisch entwickeln werden, weil Annabelle zu lange nur die halbe Wahrheit sagt, um alle Lügen glaubwürdig ans Licht zu bringen. Weshalb man das Buch, so grausam wie wahrhaftig, nicht mehr aus der Hand legen kann.

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Ingrid Olsson: Neuschnee. Ab 14, Mixtvision 2016, 109 S., Fr. 18.90

Zu Hause brennt kein Licht

Aus dem kühlen Skandinavien kommen die Erzählungen der Schwedin Ingrid Olsson; ein Teil davon spielt um die Weihnachtszeit – was im Hochsommer einen besonderen Reiz beim Lesen entwickelt. Zumal Olsson viel Raum für Mutmassungen und Gedanken lässt und ihre namenlosen Figuren so sparsam skizziert, dass Leser in ähnlichen Situationen sich mit ihnen identifizieren können. Da geht es um existenzielle Krisen: ein junger Mann trägt vom Spital die Kleider seiner toten Mutter nach Hause; ein anderer verabschiedet sich, vorgeblich für ein Wochenende, von seinem überaus fürsorglichen Vater – und es ist klar, dass er nicht zurückkommen wird. Was alles nicht erzählt wird, hat gleichwohl Platz: auf luftig bedruckten Seiten.

Bettina Kugler

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