Was die Bibel zum Weltuntergang sagt

Nicht nur der Mayakalender kennt das Ende der Zeit. Auch die Bibel spricht in der Johannesoffenbarung davon – meint freilich etwas völlig anderes.

Andreas Schwendener
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Weltuntergang im Bild: Peter Bruegels «Turm von Babylon».

Weltuntergang im Bild: Peter Bruegels «Turm von Babylon».

Apokalypse bedeutet nicht Weltuntergang. Apocalypsis ist das griechische Wort für Offenbarung: Jemandem wird etwas offenbart. Jemand erhält Einblick in Dinge, die sonst verborgen sind. Im Fall der biblischen Apokalypse ist dies Johannes, der in einer Entrückung im Geiste längere Bilderfolgen schaut.

Johannes und seine Visionen

Die Visionen geben Johannes Einblick in die Kräfte und Mächte, welche zwischen Himmel und Erde die Dynamik der Geschichte bestimmen. In den Bildfolgen der Apokalypse, die einem Siebnerrhythmus folgen, ist der Weltuntergang ein Thema, aber er ist da kein einmaliger, zeitlich festlegbarer Akt in der Geschichte. Vielmehr geht in der Sicht der Apokalypse die Welt fortwährend unter, wie sie auch stets geschaffen wird.

Ins Zerstörerische gewendet

Die Apokalypse zeigt, wie die schöpferischen Kräfte, die zwischen Himmel und Erde wirken, vom Menschen immer wieder missbraucht und ins Zerstörerische gewendet werden. So entstehen Lügengebilde, die vor Gott keinen Bestand haben und darum fallen müssen. Inbegriff der menschlichen Eitelkeit und Masslosigkeit ist die Stadt Babylon. Sie muss untergehen und Platz machen für das himmlische Jerusalem.

So ist das Thema «Weltuntergang» zwar stets präsent. Da gibt es Gottlosigkeit, Kriege, Hungersnöte, Erdbeben, Seuchen, selbst die Gestirne am Himmel geraten aus den Fugen. Doch stets geht das Leben weiter. Hier liegt einer der grossen Unterschiede zu der aktuell behandelten Debatte um Weltuntergänge, bei denen es in der Regel um ein Unglück geht, das die Erde von aussen trifft.

Die Apokalypse ist ein Buch, das vielfach missverstanden wird. Fundamentalisten machen daraus einen Fahrplan für das Kommen Jesu und das Gericht. Aufgeklärte Leute erklären alles, was mit dem antiken metaphysischen Weltbild zusammenhängt, für zeitbedingt. So wird die Apokalypse zu einem harmlosen Trostbüchlein für die ersten Christen.

Totenbuch für die Menschheit

Demgegenüber sollte die Apokalypse als eine Art esoterische Literatur verstanden werden. Wie wir nicht wissen, wie unser Leben im Tod weitergeht, so wissen wir auch nicht, was von Himmel und Erde übrig bleibt. Die Apokalypse will dieses geheime Wissen offenbaren. Die Apokalypse ist ein Art Totenbuch für die Menschheit.

Pfarrer Andreas Schwendener ist Chefredaktor des St. Galler «Kirchenboten». Zum Verständnis der Apokalypse betreibt er die Website www.johannesoffenbarung.ch.

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