Was an der Berliner Mauer wirklich geschah

Lesbar Thriller

Drucken
Teilen

picture-1918862674-accessid-473333.jpg

John le Carré: Das Vermächtnis der Spione. Ullstein, 316 S., Fr. 37.–

Er ist der Doyen des Spionageromans: der Brite John Le Carré, mittlerweile 86 Jahre alt und immer noch aktiv. Nicht als Spion, der er tatsächlich mal war in jungen Jahren, sondern als Autor. Im neuen Buch geht es um eine Aufarbeitung dessen, was im berühmten Erstling «Der Spion, der aus der Kälte kam» (1963) hinter Geheimdienstkulissen passierte.

Der pensionierte Peter Guillam, seinerzeit ein junger Agent, wird ins britische Innenministerium beordert. Untersucht werden soll, wieso damals an der Berliner Mauer ein Spion und seine Freundin erschossen wurden. Opferte man sie höheren Zielen? Wie immer schreibt le Carré kenntnisreich und sprachlich brillant. Dennoch ist das Buch nur für Kenner der früheren Romane geeignet, weil es viele Bezüge zum Erstling oder zum Roman «Dame, König, As, Spion» hat. Etwa zum legendären George Smiley, der am Ende selber noch auftaucht. Auch formal, oft mit Protokollen über frühere Einsätze oder Verhöre, ist die Lektüre nicht einfach. Le-Carré-Einsteigern sei eher der Klassiker empfohlen, «Der Spion, der aus der Kälte kam», der heute noch mit Spannung, Wendungen und erzählerischer Stringenz überzeugt.

picture-1918862902-accessid-473332.jpg

Pascal Robert-Diard: Verrat.

Das dunkle Geheimnis der Familie Agnelet. Zsolnay, 157 S., Fr. 27.–

Sohn verrät den Vater, der ein Mörder ist

In Frankreich gehört der Mord an der jungen Agnès Le Roux von 1977 zu den bekanntesten Kriminalfällen. Als Täter vor Gericht stand Maurice Agnelet, ein Windhund, Hochstapler und Betrüger. Dass er mehrmals freigesprochen wurde, lag auch an der Unterstützung seiner Familie, namentlich seiner Söhne. Dabei wussten diese, dass ihr Vater der Täter war. Eines Tages hält Sohn Guillaume Agnelet, der noch ein Bub war, als ihm der Vater die Tat einmal gestand, die Last der Lügen nicht mehr aus. Er erklärt sich bereit, vor Gericht gegen den Vater auszusagen. Was dann zu dessen Verurteilung führt. Die Journalistin Pascale Robert-Diard, welche die Prozesse mitverfolgte, hat den Stoff zu einem dichten, psychologisch faszinierendem Roman verarbeitet. Dabei schildert sie die Fakten des Falles, konzentriert sich aber vor allem auf die Protagonisten inklusive des Sohnes, der letztlich den «Verrat» begeht und der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft.

Arno Renggli