Was 2015 zu reden gab

Backen statt kochen, Männer, die ihre Haare binden, Frauen, die ihre Kurven feiern: Trends aus Küche, Mode, Kino und Gesellschaft.

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Ein Rückblick in Trends: So war das Jahr 2015. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Ein Rückblick in Trends: So war das Jahr 2015. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Essen wie Miranda Kerr

Zu den oft gehörten Begriffen im Jahr 2015 gehört «Superfood». Unter dem Wort sind Nahrungsmittel zu verstehen, die besonders viele Nähr-, Wirk- oder Vitalstoffe enthalten. Chia-Samen, Acai- oder Goji-Beeren sind bekannte Superfoods und viele Stars wie Model Miranda Kerr schwören darauf. Hauptsache, der Name klingt exotisch. Dabei gibt es Superfoods auch in unseren Breitengraden: Kürbiskerne, Trauben, Brokkoli und Rucola sind ultragesund und wachsen direkt vor der Haustüre. Ob Superfoods so super sind, wie ihr Name verspricht, darüber wird gerne diskutiert. Dass hinter der Traumfigur von Miranda Kerr aber mehr als trockene Beeren stecken, ist gewiss. (adi)

Backen statt Nichtstun

Backen ist das neue Kochen. Die vielen Bücher, die in den vergangenen Monaten zu ebendiesem Thema erschienen sind, belegen diese These. Früher hat man sich ein Wochenende lang daheim eingeschlossen und nichts gemacht, wenn man die Nase voll von der Welt hatte. Heute hat Nichtstun keinen guten Ruf mehr. Deshalb backen nun auch Kaderleute, um sich zu entspannen. Sie kneten und formen, sie arbeiten mit den Händen statt mit dem Kopf. Es muss ja nicht gleich Do-it-yourself in der Garage sein. In der Küche duftet es schliesslich deutlich besser – und das Ergebnis erfreut alle. «Backen macht nicht nur sehr glücklich, du wirst dafür auch enorm geliebt», pflegt die niederländische Köchin Yvette van Boven denn auch zu sagen. (dbu)

Liebe unperfekte Linien

2015 ist ein kurviges Jahr gewesen – und damit sind nicht die Börsenkurse gemeint. Unter #stopbodyshaming zeigten Frauen ihre schwabbeligen Bäuche, Cellulite und überschüssigen Pfunde her. Darunter waren viele Mütter, die sich mit ihrem After-Baby-Body durchaus arrangiert hatten. Dabei sollen sich auch in der Schweiz immer mehr Frauen nach der Geburt des Kindes unters Messer legen, um wieder auszusehen wie zuvor. Wie wohltuend erscheinen da digitale Aufstände gegen das uniforme Schönheitsideal, gegen Magermodels auf dem Laufsteg. Politiker greifen das Thema unterdessen ebenfalls auf: Das Modeland Frankreich hat Anstiftung zur Magersucht unter Strafe gestellt und ein Gesetz gegen Magermodels erlassen. Wer Mannequins mit einem BMI von unter 19 anstellt, riskiert sechs Monate Gefängnis und 75 000 Euro Strafe. (dbu)

Farben für Paris

Die Terroranschläge in Paris machten betroffen. So sehr, dass Facebook seinen Usern nur wenige Stunden danach vorschlug, die Profilbilder mit den französischen Nationalfarben zu hinterlegen und somit Solidarität zu bekunden. Doch die Meinungen über die Trikolor-Bilder gingen auseinander. «Ich habe mein Profilbild geändert, um ein Zeichen zu setzen», meinten Befürworter. Und Gegner konterten: «Auch ich bin erschüttert. Nur weiss ich nicht, was das mit meinem Profilbild zu tun hat.» Natürlich richtet ein geändertes Profilbild nichts gegen Terrorismus aus. Doch wie sagten es Psychologen treffend: Gemeinsame Aktionen können helfen, die Betroffenheit zu teilen. (adi)

Starke Heldinnen

Das Filmjahr 2015 war erneut geprägt von Diskussionen, dass es Frauen im Filmgeschäft schwerer haben und weniger verdienen wie ihre Kollegen. Doch in einem Punkt hat sich etwas bewegt: Es gab viele interessante, prägende Frauen-Hauptrollen. Heldinnen und starke weibliche Charaktere. Am meisten Aufsehen erregte Charlize Theron als Furiosa in «Mad Max: Fury Road». Eine spannende, starke Frau verkörperte ebenso Emily Blunt als FBI-Agentin im Drogenthriller «Sicario». Und es gab Shailene Woodley in der Fortsetzung von «Divergent» und Jennifer Lawrence im Abschluss von «The Hunger Games». Lawrence spielt gerade in «Joy» eine weitere Frau, die weiss, was sie will. Sogar im neuen «Star Wars» steht mit Rey eine Heldin im Zentrum, verkörpert von der jungen Britin Daisy Ridley. (as)

Der neue Topstar

Würde Daniel Craig als James Bond abtreten, stünde Tom Hardy als Nachfolger bereit. Und glaubt man Wettanbietern, sind die Chancen für den Briten intakt. Auch auf einer anderen Liste hat der 38-Jährige die Nase vorne: IMDb, die grösste Filmdatenbank im Internet, kürt jeweils die Top-Ten-Filmstars des Jahres. Hardy – er hat 2015 in «Mad Max: Fury Road» mitgespielt und verkörpert in «Legend» eine Doppelrolle – liegt auf Platz eins, auf den restlichen neun Rängen sind Frauen zu finden. Begonnen hat seine Karriere mit einem TV-Modelwettbewerb. Der damals 19-Jährige gewann und nahm erste Rollen an; oft solche, in denen er vor Männlichkeit strotzt. Ein harter Kerl, auch fern der Leinwand, denkt man sich. Hardy verneint: «Im wahren Leben fühle ich mich nicht rauh und stark.» (dbu)

Eine Hose für keine

Modezeitschriften haben uns den Hosenrock für Frühling 2015 ans Herz gelegt und ihn für Herbst 2015 ein weiteres Mal wärmstens empfohlen. Auf die Strassen hat er es dennoch nicht geschafft. Noch im 18. Jahrhundert war die Culotte eine Hose nur für Männer; in den 1930er-Jahren trug Coco Chanel sie als Zeichen der Emanzipation. Heute ist sie vor allem ein Spielzeug für Fashionistas, die ihre Tenues auf Blogs präsentieren. Der Hosenrock ist alles andere als ein Figurschmeichler. Er ist weit geschnitten, macht optisch dick; er endet auf Höhe der Waden, so, dass er sogar trocken bliebe, wenn frau durch Hochwasser waten würde. Zu viel Potenzial für Mode-Fauxpas, befand die Damenwelt und liess die Finger davon. Doch die Designer lassen nicht locker: Vivienne Westwood hat für Frühling 2016 neue Culottes-Modelle gezeigt. (dbu)

Der Mann und der Dutt

Olaseiku ist der neue Vokuhila. Oben lang und an den Seiten kurz: Der Undercut zählte 2015 zu den angesagtesten Frisuren in der Männerwelt. Diese Frisur bietet nicht nur viele individuelle Möglichkeiten, sondern schmeichelt auch noch fast jedem Gesicht. Manche Männer binden die längeren Haare hinten zu einem Dutt hoch, andere föhnen sich eine Tolle oder lassen ihre Locken wild ins Gesicht hängen. Männer mit modischem Gespür kombinieren den Olaseiku selbstverständlich mit gepflegtem Dreitagebart. (adi)

Zu schnelle Senioren

Eine alte Frau sei kein Schnellzug, hat Grossmutter oft gesagt. Nun, man muss ihr zugute halten, dass sie das E-Bike-Zeitalter nicht mitbekommen hat. Gemäss Statistiken nimmt die Zahl der Verkehrsunfälle in der Schweiz zwar ab. Nur bei den E-Bikes nicht: Mit fünf Toten und 145 Verletzten erreichte die Zahl an E-Bike-Unfällen 2014 einen neuen Höchststand und 2015 könnte dieser sogar noch übertroffen werden. Der Grossteil der verunglückten E-Bike-Fahrer ist zwischen 60 und 69 Jahre alt. Die hohe Geschwindigkeit der motorisierten Velos werde oft von allen Verkehrsteilnehmern unterschätzt, heisst es bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung. E-Bikes sind eben fast so flink wie ein Schnellzug, Oma. (adi)

Airbnb im Gegenwind

Airbnb war für Reisende bisher so etwas wie die Garantie, bei Einheimischen unterzukommen – und sich somit selber wie ein Local zu fühlen. Doch 2015 gingen eben Einheimische in Städten wie Barcelona gegen die Internetplattform auf die Strasse. Sie werfen den Betreibern vor, die Wohnungsnot zu verschärfen. Mit Geschäftstüchtigen, die mehrere Bleiben anbieten, aber in keiner tatsächlich wohnen. Airbnb werkelt derweil munter weiter – und testet in den USA angeblich den Verkauf von kompletten Reisen. Bald geht man mit Einheimischen vielleicht schon auf Stadttour. Und lernt so Ecken kennen, an denen andere Touristen nie, niemals vorbeikommen würden. (dbu)

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