Warum Fjorde dem Klima nützen

Im Kohlenstoffkreislauf spielen die Fjorde nach neuen Untersuchungen eine ungewohnt wichtige Rolle. Forscher wissen auch warum: In ihnen lagert sich besonders viel Material ab.

Nadja Podbregar
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Die Fjorde Alaskas haben rund die Hälfte des gesamten in Fjorden gespeicherten Kohlenstoffs gespeichert. (Bild: fotolia)

Die Fjorde Alaskas haben rund die Hälfte des gesamten in Fjorden gespeicherten Kohlenstoffs gespeichert. (Bild: fotolia)

Die Sedimente der Meere spielen eine wichtige Rolle für den irdischen Kohlenstoffkreislauf und das Klima. Denn sie können grosse Mengen an organischem Kohlenstoff speichern und damit aus dem Verkehr ziehen.

Die Reste lagern sich ab

Meist geschieht dies dadurch, dass organisches Material in Form von Pflanzenresten, toten Meerestieren, aber auch durch die Verwitterung von Gestein sich am Grund des Ozeans ablagert. Dort wird es im Laufe der Zeit von anderen Ablagerungen überdeckt und bleibt so für lange Zeiträume begraben. Fossile Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl sind Beispiele für Produkte solcher urzeitlicher organischer Ablagerungen.

Ein kleiner Mitspieler

Wie viel Kohlenstoff heutige Meeressedimente schlucken und welche Meeresgebiete daran welchen Anteil haben, ist allerdings bisher nur in Teilen bekannt. Richard Smith von der University of Connecticut in Groton und seine Kollegen haben nun einen eher kleinen Mitspieler unter die Lupe genommen – die Fjorde. Sie machen gerade einmal 0,1 Prozent der gesamten Meeresfläche aus.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher Sedimentproben aus allen grossen Fjordsystemen weltweit – von den Fjorden Norwegens oder Alaskas bis nach Neuseeland und in die Antarktis. Insgesamt 573 Oberflächenproben und 124 Bohrkerne kamen dabei zusammen.

Das überraschende Ergebnis: Die Fjord-Sedimente schlucken und speichern insgesamt 18 Megatonnen organischen Kohlenstoff pro Jahr – das entspricht elf Prozent der gesamten jährlichen Speicherrate der Ozeane.

«Fjorde sind echte Hotspots»

«Bezogen auf die Menge pro Flächeneinheit ist dies doppelt so viel wie der Durchschnitt im Meer insgesamt», erklären Smith und seine Kollegen. «Fjorde sind damit echte Hotspots für die Speicherung organischen Kohlenstoffs.»

Tief, dunkel, arm an Sauerstoff

Es gibt dafür mehrere Gründe. Zum einen verlängern die vielen schmalen Einkerbungen in das Land die Küstenlinie. Dadurch wird besonders viel Material aus den umliegenden Landflächen in diese Meeresgebiete eingeschwemmt. Zum anderen sind die Fjorde sehr tief, dunkel und an ihrem Grund eher arm an Sauerstoff. «Zusammen mit dem hohen Sedimentationsraten und wenigen Störungen ist das ideal, um grosse Mengen des Materials zu speichern», erklären die Wissenschafter.

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