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WAHL: Widerspruch in Farbe

Das internationale Farbinstitut Pantone hat entschieden: Ultra Violet soll die Farbe des Jahres 2018 sein. Ein Ton, der in der Esoterik, im Feminismus und in der Kirche vorkommt.
Diana Hagmann-Bula
Wird bald überall auftauchen: Ultra Violet, Farbe des Jahres 2018. (Bild: Getty)

Wird bald überall auftauchen: Ultra Violet, Farbe des Jahres 2018. (Bild: Getty)

Diana Hagmann-Bula

Die gute Nachricht: Das Jahr der Farbe Greenery, einem grellen Hellgrün, ist vorüber. Wer hat sich damit schon auf die Strasse gewagt… Die schlechte Nachricht: Die Farbe des Jahres 2018 ist nicht viel zugänglicher. Dennoch wird Ultra Violet bald auf Lippen und Nägeln leuchten, bald werden sich einige in ultraviolette Sessel und ultraviolette Wollpullover kuscheln. Wie immer, wenn das Farbinstitut Pantone seinen neuen Favoriten bekannt gibt, zieht die Mode- und Designindustrie rasch nach.

Die Jury betont, stets eine Farbe auszuwählen, die eine Stimmung oder ein Gefühl transportiert, das den kulturellen Zeitgeist widerspiegelt. «Wir leben in einer Zeit, die sich nach Erfindungsreichtum, Kreativität und Vorstellungskraft sehnt – all das drückt Ultra Violet perfekt aus. Es ist eine komplexe Farbe, die uns dabei unterstützt, unseren Horizont an Möglichkeiten zu erweitern. Egal ob wir neue Technologien erkunden, neue Arten künstlerischen Ausdrucks finden oder über unsere Spiritualität nachdenken», sag Leatrice Eiseman, Executive Director des Pantone-Farbinstituts, gegenüber der deutschen «Vogue».

Mal lieblich, mal verrucht

Auch wenn ein violettes Outfit ebenso wenig jedermanns Sache ist wie ein giftgrünes: Die Farbe 2018 hat immerhin mehr Tiefgang als Greenery. Spirituelle sind in die Farbe vernarrt. Meditationskissen leuchten oft und gerne in Ultra Violet, TV-Kartenleser Mike Shiva trägt immer wieder ein Haartuch, das im weitesten Sinne an Lila erinnert. Ein Lila mit hohem Blauanteil, das ist Ultra Violet eigentlich.

Nicht umsonst also gilt Ultra Violet auch als Farbe der Transzendenz, schwebt irgendwo zwischen dem Hier und dem Jenseits. Es liegt auch zwischen feurigem Rot und harmonischem Blau; erst wenn die beiden Farben verschmelzen, entsteht es. Brainstormt man über die Farbe, kommt einem noch mehr Widersprüchliches in den Sinn. Das Veilchen, die niedliche Blume, aber eben auch das Veilchen, das nach einem harten Schlag auf dem Auge zurückbleibt. «Purple Rain» brachte Sänger Prince zwar viel Erfolg, zugleich ist darauf seine Zerrissenheit besser zu hören als auf jedem anderen Album. Die Lavendelfelder in der Provence, atemberaubend schön, beeindrucken in Ultra Violet. Die Ultraviolett-Strahlen der Sonne hingegen bringen Krebs. Sie ist die Farbe der Bischofsgewänder, gleichzeitig verdunkelt sie Bordelle. Kein Stoff bringt Ultra Violet und seine Doppeldeutigkeit besser zur Geltung als Samt – die modische Notwendigkeit der Saison. Mal schillert die Farbe darauf weich und hell, mal hart und düster, je nach Licht­einfall. In den aktuellen Winterkollektionen taucht Ultra Violet bereits auf: Da ist Isabel Marants lila Strickpulli, da ist eine Lederhandtasche von Prada. Noch ­lange kein Zeichen für hellseherische Fähigkeiten der Designer. Sie haben nur die Neuinterpretation des omnipräsenten 70er-­Jahre-Stils konsequent weiter­gedacht. Ultra Violet ist in dieser Zeit daheim. Es schaffte damals nicht nur als Farbe für Exzentriker den Durchbruch, sondern auch als Farbe für Feminismus und Gleichstellung.

Für kleine Mädchen und starke Frauen

Besonders ultra ist Ultra Violet nicht, wenn man es mit den anderen Lilatönen im Pantone-Farbfächer vergleicht. Die Farbe kommt gut ohne den Wortzusatz aus, die Zeit weniger. Die Welt, immer schneller, immer tech­nischer, Ausreisser gibt es jedoch auch nach unten. In den USA lässt ein Präsident keine Gelegenheit aus, zu poltern. Und dann die Me-too-Debatte: Sie weitet sich noch immer aus, nennt immer mehr Fehlbare, kristallisiert mit jeder Woche feiner heraus, wo Komplimente aufhören und sexuelle Belästigung beginnt. Gerade wegen dieser Diskussion erstaunt es nicht, dass es eine weibliche Farbe an die Pantone-Spitze geschafft hat.

Ultra Violet, das ist zwar die Farbe, der kleine Mädchen in Spielwaren- und Kleiderläden verfallen, das ist aber auch die Farbe der grossen, starken Frauen. Nur scheinen viele ihren feministischen Aspekt vergessen zu haben.

Luxuriös in Kombination mit Metallictönen

Wem das alles zu bedeutsam ist, wer in Ultra Violet eine Farbe und nur das sehen will, dem sei gesagt: Sie lässt sich gut mit Metallictönen kombinieren und wirkt dann luxuriös. Gelbgrün, Blaugrün und Cappuccino hingegen verleihen ihr eine natürliche Eleganz. Sagen weder Frauenrechtlerinnen noch Esoteriker. Sagen Stil-Experten.

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