Wälder bleiben Welterbe

Die Unesco hat den australischen Antrag, den Welterbe-Status von über 70 000 Hektar Wald auf Tasmanien aufzuheben, abgelehnt. Die Regierung wollte die Wälder zum Abholzen freigeben.

Barbara Barkhausen
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Aus Doha kam ein klares Nein für Australiens Forstwirtschaft. Die Unesco hat den australischen Antrag, den Welterbe-Status von über 70 000 Hektaren Wald auf Tasmanien aufzuheben, abgelehnt.

Die australische Regierung wollte die Wälder zum Abholzen freigeben. Die Umweltaktivistin Miranda Gibson, die 15 Monate auf einer kleinen Plattform in 60 Meter Höhe auf einem Baum im tasmanischen Regenwald gelebt hat, um für den Erhalt der Wälder zu kämpfen, hatte vor der Entscheidung gesagt, dass ein Stattgeben des Antrages in ihren Augen die Integrität des Welterbes gefährden würde.

Das Welterbe-Komitee lehnte den australischen Antrag während seines Treffens in Doha dann auch nach nur zehn Minuten Beratungszeit ab. Die Wälder waren erst 2013 als Teil eines 170 000 Hektaren grossen Waldstückes als Welterbe anerkannt worden. Diesen Antrag hatte die frühere sozialdemokratische Regierung gestellt. Die neue liberale Regierung wollte dies nun in Teilen rückgängig machen, da die Wälder durch früheres Abholzen bereits beeinträchtigt gewesen seien.

Welterbe seit 2013

Der frühere Parteivorsitzende der Grünen, Bob Brown, beschrieb die Entscheidung der Unesco dann auch als eine «globale, diplomatische Erniedrigung» der liberalen Regierung unter Tony Abbott. Der Sprecher der Wilderness Society, Vica Bayley, der zusammen mit Aboriginal-Vertretern extra nach Doha gereist war, zeigte sich erfreut über die Unesco-Entscheidung. Bayley verglich den Plan, die tasmanischen Wälder abzuholzen, damit, «den Grand Canyon als Müllhalde nutzen, die Oper Sydney für Apartments am Meer abreissen oder den Eiffelturm als Altmetall verkaufen zu wollen».

In den Wäldern befinden sich Hunderte Jahre alte Bäume, die teils bis zu hundert Meter hoch sind, sowie Felsmalereien der Aborigines und etliche gefährdete Tierarten. Die australische Regierung hatte vorab bereits verkündet, dass sie die Entscheidung der Unesco akzeptieren werde.

Gibson wirft Abbott Lügen vor

Miranda Gibson bestreitet die Behauptung der Regierung Abbott, dass der betroffene Wald ohnehin schon durch Abholzung geschädigt sei. Gibson: «Das ist eine absolut irreführende Aussage», sagte sie. «Einige Randbereiche mögen davon betroffen sein, aber die grösste Fläche ist ursprünglicher Wald, mit spektakulären Bäumen, die massiv hoch sind, Hunderte Jahre alt und aus einem uralten Ökosystem stammen. Hier stehen Regenwaldpflanzen neben Eukalypten, und es sind wichtige Korridore für die Tierwelt.»

Holz aus zerstörtem Welterbe

Auch glaubt die Aktivistin, dass sich dort geschlagenes Holz aufgrund des zunehmenden Umweltbewusststeins in der Welt kaum verkaufen lasse: «Wir glauben nicht, dass es einen Markt gibt. Kunden weltweit wollen keine Möbel und kein Parkett, das aus einem zerstörten Welterbe stammt. Das ist auch nicht im Interesse der Holzindustrie, die übrigens auch dafür plädiert, den Status beizubehalten.»

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