Von der Patientin zur Mitarbeiterin

Psychiatrische Kliniken setzen vermehrt auf Erfahrung und Wissen von ehemaligen Patienten. Als sogenannte Peers arbeiten diese auf Stationen mit, wobei sie weder pflegen noch therapieren. Nun will auch Pro Infirmis den Peer-Ansatz testen und startet Pilotprojekte.

Sebastian Keller
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Peers haben ein offenes Ohr für andere und Zeit für Gespräche. (Bild: fotolia)

Peers haben ein offenes Ohr für andere und Zeit für Gespräche. (Bild: fotolia)

Wer das Leben mit einer Behinderung meistert, ist ein Experte auf diesem Gebiet. Diese Erkenntnis will Pro Infirmis verstärkt nutzen. Die Organisation für Menschen mit einer Behinderung lanciert in zwei Kantonalsektionen einen Pilotversuch, in dessen Rahmen Behinderte anderen ihr Wissen weitergeben sollen, bestätigt Pro-Infirmis-Kommunikationschef Mark Zumbühl. Die Pilotprojekte starten in den Kantonen Thurgau/Schaffhausen und Aargau/Solothurn. «Erst nach den Erfahrungen daraus wird entschieden, ob das Dienstleistungsangebot von Pro Infirmis in diese Richtung erweitert werden soll.» Fest stehe: Es sollen ergänzende Angebote werden, die keine bestehenden ersetzen. Der «Peer-Ansatz», wie es sich nennt, wenn Betroffene anderen Betroffenen helfen, hat in der Psychiatrie bereits Schule gemacht. Viele Kliniken in der Schweiz beschäftigen Personen in Teilzeit, die früher selber Patienten waren. In der Psychiatrischen Klinik Wil arbeitet eine Frau, die an einer Psychose litt. «Sie hat ein offenes Ohr für die Patienten und Zeit für Gespräche», sagt Julien Gapin von der Klinik Wil.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 1. Mai.

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