Von der Meute in die Familie

Seit die Otterjagd verboten ist, scheint der Otterhound überflüssig zu sein. Weltweit gibt es nur noch 1000. In Egnach sind acht Welpen zur Welt gekommen. Züchterin Monika Aliesch will den Meute- nun als Familienhund bekanntmachen.

Nina Rudnicki
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Mit ihren drei Monaten sind die Otterhound-Welpen noch klein und süss. Ausgewachsen werden sie aber bis zu 50 Kilo wiegen. (Bild: Urs Bucher)

Mit ihren drei Monaten sind die Otterhound-Welpen noch klein und süss. Ausgewachsen werden sie aber bis zu 50 Kilo wiegen. (Bild: Urs Bucher)

Dicht gedrängt liegen die Otterhound-Welpen auf der Wiese hinter dem Regaboga-Hof in Neukirch-Egnach. Als sie die Stimme von Monika Aliesch hören, erwachen sie, tapsen noch etwas herum und stürmen dann auf die Hundezüchterin los. Die sieben Welpen – ursprünglich waren es acht, für einen hat Aliesch aber bereits ein neues Zuhause gefunden – sind ihr ganzer Stolz. Mehrere Jahre hat sie darauf hingearbeitet, nach passenden Weibchen gesucht und mit anderen Züchtern rund um den Globus verhandelt. Dass das alles geklappt hat, ist eine kleine Sensation. Weltweit gibt es nur noch 1000 Stück des einst beliebten Meutehundes, und in der Schweiz ist es erst der zweite Wurf überhaupt.

Fünf Stunden im Wasser

«Eigentlich sind Otterhounds keine Hunde, sondern eben Hounds», sagt Aliesch, während sie einem der Welpen durch das typisch wachsige Fell streicht. Dank diesem, den mit Schwimmhäuten versetzen Pfoten und seiner feinen Nase könnte er als erwachsenes Tier bis zu fünf Stunden Geruchsspuren im Wasser nachjagen. Und wegen seines sensiblen und sozialen Wesens in Meuten von bis zu 80 Tieren leben, ohne dass es zu Hierarchiekämpfen käme – typisch Hound eben. Doch weil die Otterjagd bis zu ihrem Verbot so exzessiv betrieben wurde, dass der Otter mittlerweile als gefährdet gilt, ist auch der Otterhound überflüssig geworden. Es gibt kaum jemanden, der ihn noch züchtet, selbst in England, wo im 19. Jahrhundert nicht wenige britische Monarchen – darunter etwa Elizabeth I. – den Titel «Master of Otterhounds» besassen und mit riesigen Meuten durch das Land streiften.

An Katzen nicht interessiert

«Je grösser das Rudel, desto wohler fühlt sich ein Otterhound. Das ist heute nicht anders als damals», sagt Aliesch, deren Ziel es ist, den Otterhound gerade wegen dieser sozialen Eigenschaft als Familienhund zu etablieren. «Für eine Familie spricht auch, dass er kein Sichtjäger ist. Wenn er also eine Katze oder einen anderen Hund sieht, wird er nicht einfach darauf losrennen. Diese liebenswürdige Hunderasse liesse sich wirklich gut in unsere Gesellschaft integrieren.»

Auf der Suche nach Vermissten

Dass Monika Aliesch überhaupt angefangen hat, Otterhounds zu züchten, ist einer Reihe von Zufällen zu verdanken. Vor neun Jahren entdeckt ihr damaliger Partner die Hounds über eine Bekannte und wünscht sich nichts mehr, als selber mit einem zu arbeiten. Als die Suche in Europa erfolglos bleibt, macht Aliesch eine Züchterin in den USA ausfindig, die einen Rüden verkauft. Zurück in der Schweiz bildet sie den Hund in Mantrailing, also der Personensuche, aus. Drei- bis viermal pro Woche trainiert sie ihn darin, Fährten zu folgen. «Mit der Zeit entwickelt sich eine Sprache zwischen Hund und Trainer», sagt die 49-Jährige. «Um dieses Level zu halten, muss man aber natürlich immer weiter trainieren. Und das ist extrem zeitaufwendig.» Im Jahr 2007 wird Alieschs Otterhound sogar bei der Suche nach der vermissten Ylenia aus Appenzell eingesetzt.

Als Aliesch dann aber von einer Züchterin aus den USA gleich zwei Otterhound-Weibchen bekommt, beschliesst sie das Mantrailing aufzugeben und sich fortan nur noch auf die Zucht zu konzentrieren. «Bei der geringen Zahl an Otterhounds, die es derzeit noch gibt, ist das wirklich Herausforderung genug», sagt sie.

Der Clown der Hunde

Jetzt, ein paar Jahre und acht Welpen später, ist Aliesch zufrieden. Ein erster Schritt sei geschafft. Wenn sie sich noch etwas wünschen könnte, dann höchstens, dass es in der Schweiz in absehbarer Zeit wieder 20 bis 30 Otterhounds gäbe. Viel mehr Arbeit als andere Hunde machen Otterhounds laut Aliesch nämlich nicht. Obwohl das genau das sei, was die meisten Menschen von einem Meutehund erwarten würden. «Der Otterhound ist einfach ein bewegungsfreudiger Hund», sagt sie. «Wenn man mit ihm draussen in der Natur unterwegs ist, dann nimmt er ein Zig-faches an Gerüchen auf.» Die müsse er dann aber irgendwie verarbeiten und brauche Ruhe, am besten drin. Im Haus sei er darum sehr angenehm zu halten.

Unterdessen sind auch die kleinen Hounds vom Herumschnüffeln auf dem Regaboga-Hof ziemlich müde geworden. Ein paar Schritte, dann plumpsen sie tolpatschig in den Hundekorb. «In die Familien würden sie sicher viel Spass bringen», sagt Aliesch. «Mann nennt den Otterhound nicht umsonst den Clown der Hunde.»