Von bösen Bärten

LESBAR COMIC

Valeria Heintges
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Bild: Valeria Heintges

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LESBAR COMIC

Stephen Collins' Zeichnungen sind Schwarz-Weiss, doch seine phantastische Geschichte vom bösen Bart ist weder Schwarz-Weiss erdacht noch gestaltet. Die Bewohner von Hier versuchen beinahe panisch, ihr peinlichst sauberes (und erschreckend banales) Land von den Ungetümen im Dort fernzuhalten. Es gelingt ihnen – bis Daves Haar unter der Nase zu wachsen beginnt. Und zwar so schnell, dass sein Bart bis in den Garten und den Himmel reicht. Keine Coiffeurschere, kein gepanzertes Schneidegerät ist ihm gewachsen. Die Fachleute sind ratlos, die Menschen aus Hier erst neugierig, dann ängstlich, dann aggressiv. Dave selbst verzieht in all dem keine Miene und hört nur die Bangles und ihren Hit «Eternal Flame». Dem Briten Stephen Collins ist ein wunderschönes, aber zutiefst beunruhigendes Werk gelungen, in dem er mit einerseits detailreichen, andererseits sehr lockerem, beinahe hingetupftem Strich Realismus mit einbrechender Phantasie mischt. Beeindruckend.

Stephen Collins: Der gigantische Bart, der böse war, Atrium 2014, 240 S., Fr. 38.90

Von schlauen Hühnern

Volker Reiche war jahrelang regelmässiger Comic-Zeichner im Feuilleton der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», über acht Jahre lang zeichnete er den Comic Strip «Strizz». Auch «Snirk's Café» erschien zuerst dort, bevor es jetzt der Suhrkamp-Verlag veröffentlicht, versehen mit einem Glossar und einem Nachwort von FAZ-Redaktor Andreas Platthaus. Snirk, ein junger, verwöhnter Mann, will eine Beratungsfirma eröffnen, aber wen er beraten soll und wie, weiss er nicht. Geld hat er auch keines. Da schickt ihn sein Grossvater auf die Karibikinsel Curaçao, um seinen Sohn, also Snirks Vater zu suchen. Dabei helfen ihm: Der übergewichtige Kurti, der lieber zeichnet als redet. Und Martina, das Voodoohuhn. Wie nebenbei lässt Reiche die Ansichten der Generationen aufeinanderkrachen. Eine liebevoll gezeichnete Geschichte voller schräger Details und aktueller Anspielungen. Eine Fortsetzung wird es wohl leider nicht geben: Die FAZ hat ihren täglichen Comic eingespart.

Volker Reiche: Snirk's Café oder Das Voodoohuhn von Curaçao, Suhrkamp 2014, 111 S., Fr. 20.90

Bild: Valeria Heintges

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