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Viele, viele bunte Symbole

Schreiben Sie noch oder emojisieren Sie schon? Über die Bilder, welche die Handysprache erobert haben.
Diana Bula

Vor ein paar Wochen ist es passiert: In einem freudigen Moment ging das erste eigene SMS mit Piktogrammen raus. Ein Feuerwerk, es schien genau richtig, um die Begeisterung zu unterstreichen. Dabei hatte man sich vorgenommen, Handy-Nachrichten nie mit diesen kitschigen Bildern zu garnieren. Die sogenannten Emojis: zu bunt, zu kindisch, und weshalb Bilder verwenden, wenn es Wörter gibt?

Irgendwann tat man es also doch. Weil fast alle es tun. «Wer eine Nachricht nicht mit einem Smiley oder Bild abschliesst, sendet heute beinahe eine negative Beziehungsbotschaft», sagt Christa Dürscheid vom Deutschen Seminar der Universität Zürich. Und wer will schon als Spielverderber dastehen, wenn sich andere an Piktogrammen erfreuen, die den schwarz-weissen SMS-Brei etwas freundlicher und bunter machen?

«Ein Stilmittel für Insider»

Um Emojis auf dem Smartphone verwenden zu können, muss man die Funktion zuerst aktivieren – und unter Optionen wie «Deutsch» oder «Russisch» auswählen. Das zeigt: Geht es nach den Handyherstellern, sind die aus Japan stammenden Bildschriftzeichen bereits eine eigene Sprache. Geht es nach Christa Dürscheid, so sind Emojis erst «ein Stilmittel, auf das Insider nicht mehr verzichten wollen». Einmal verwendet, braucht man sie nämlich wieder, immer häufiger, oft dieselben. Das Handy trägt zur Wiederholung bei: Es speichert die zuletzt gebrauchten Symbole auf einer Liste.

Auf dieser Liste befinden sich bei einer Ostschweizer Logopädin, 35, hauptsächlich Smileys. «Die Körpersprache, Tonfall, Stimmung kann ich beim Schreiben nicht rübergeben, darum sind diese Gesichter ideal für mich.» Und die anderen Symbole? «Lässig, um mal ein SMS speziell zu gestalten.»

Emojis statt Kussmund

Mit Emojis kreativ sein: Darum geht es vielen. Und so steppen hinter Feriengrüssen vier Flamenco-Tänzerinnen. Frauencliquen schicken sich Martini-Gläser und Tüten, aus denen Konfetti spicken; die bildgewordene Vorfreude auf den gemeinsamen Ausgang vom Wochenende. Nicht einmal Yogagruppen sind enthaltsam: Namaste, grüssen sie sich, gefolgt von betenden Händen.

Ein (nicht repräsentativer) Blick aufs eigene Handy zeigt: Zehn der letzten zwanzig Nachrichten enthielten Piktogramme. Und sie scheinen eine weibliche Angelegenheit zu sein. Es ist wie früher beim Briefeschreiben: Sie drückte mit Lippenstift einen Kussmund aufs Papier, ihm genügte ein Fresszettel für die Botschaft. Heute dekoriert sie ihre Nachricht mit Emojis. Und übertreibt dabei auch gerne mal.

Fast nie nur Bilder

Die meisten Absender verdeutlichen mit den Bildschriftzeichen, was sie schreiben. Etwa: Ein doofer Tag – dahinter ein brauner Haufen. Selten aber werden ganze Sätze nur mit Emojis erzählt. Die ersten Ergebnisse von «What's up, Switzerland», einer Studie der Universitäten Bern, Zürich und Neuenburg, kommt zum gleichen Schluss: «Emojis werden meist, wie Smileys auf früheren Mobiltelefonen, als Kommentar verwendet. Sie dienen nicht dazu, Wörter zu ersetzen.»

Er, 35, in der Kommunikationsbranche tätig, braucht Emojis selten – ausser er neckt seine Frau. «Sie hält diese Bildsprache für sehr infantil.» Nicht nur foppen, auch streiten geht damit. Ein drohender Muskelarm steht für: He, so nicht, das gibt Ärger. Ein Affe, der sich die Ohren zuhält, bedeutet: So, genug, ich mag nichts mehr hören. Der Jugendsender Joiz hat es mit Fluchen versucht. Die Tüte mit Konfetti plus Messer ergibt – Partykiller. Hätten Sie das erraten? «Emojis sind geeignet, um ersten Dampf abzulassen. Wechselt die Unterhaltung aber auf die inhaltliche Ebene, reichen sie nicht aus. Sie sind zu missverständlich», sagt Sprachwissenschafterin Dürscheid.

Steht die Wolke nun für Wind oder übelriechende Verdauungsgase? Macht die Schneeflocke schon den Winter aus oder nur einen kalten Herbsttag? Sie, 32, sagt: «Mir fehlt in solchen Momenten ein Smiley mit Fragezeichen auf der Stirne. Das würde ich dann gerne schicken.»

Mehr Zeichen, mehr Ausdruck

Dürscheid glaubt, dass die Verwendung von Emojis dennoch zunehmen wird, auch bei älteren Benützern: «Weil die Auswahl an Bildern und damit die Ausdrucksmöglichkeiten grösser werden.» Unicode, ein Konsortium, dem viele grosse Softwarefirmen angehören, hat im Sommer 250 neue Emojis verabschiedet. Apple, Microsoft und Co. arbeiten nun daran, sie auf ihre Geräte zu adaptieren. Bald werden es fast 1000 Bilder sein – der Stinkefinger ist ebenso neu im Repertoire wie Smileys mit dunkler Hautfarbe. Wer wohl dann noch um die Bilder rumkommt?

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