«Viele Arbeitsplätze verschwinden»

«Dank Robotern werden die Menschen mehr Zeit für wichtigere Dinge haben», sagt Technologie-Experte Carl Bass. Gleichzeitig warnt er vor den sozialen Folgen und dem Wegfall von Jobs bei den untersten Einkommen.

Philipp Bürkler/Austin
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Carl Bass CEO der Softwarefirma Autodesk (Bild: pd)

Carl Bass CEO der Softwarefirma Autodesk (Bild: pd)

Herr Bass, Sie beschäftigen sich schon lange mit Robotern. Was ist ein Roboter?

Carl Bass: Roboter definieren sich durch drei Eigenschaften. Sie können Informationen senden, sich bewegen und sie können auf die Umgebung reagieren.

Die meisten Menschen stellen sich unter einem Roboter eine Maschine mit Augen, Armen und Beinen vor.

Bass: Das ist tatsächlich die gängigste Vorstellung. Roboter haben aber auch andere Formen, beispielsweise als automatischer Staubsauger. Roboter sind bereits heute überall und werden in den kommenden Jahren unseren gesamten Alltag verändern. Im Haushalt, bei der Arbeit oder im Strassenverkehr.

In der Industrie werden zunehmend Arbeitsplätze durch Roboter ersetzt. Wie sehen Sie die Auswirkungen der Robotisierung auf den Arbeitsmarkt?

Bass: Tatsächlich beseitigen Roboter und Maschinen Arbeitsplätze. Wer das abstreitet, ist nicht ehrlich. Darüber müsste auch eine intensivere öffentliche Debatte entstehen.

Sie sagen, 2050 wird es mehr Roboter auf der Welt geben als Menschen. Steuern wir auf eine Massenarbeitslosigkeit zu?

Bass: Leider verschwinden vorwiegend Arbeitsplätze für Menschen mit tieferem Einkommen. Nur ein Beispiel: Sehr viele Menschen verdienen ihr Geld mit dem Fahren von Fahrzeugen. In gut zehn Jahren werden führerlose – also selbstfahrende – Autos die Strassen dominieren. Das bedeutet, viele Arbeitsplätze werden verschwinden. Denken Sie an Taxichauffeure oder Lastwagenfahrer. Wer irgendwo ist, zückt sein Smartphone, bestellt seinen eigenen Wagen und lässt sich nach Hause fahren. In diesem Fall brauchen Sie keinen Chauffeur mehr, den sie für die Dienstleistung auch noch bezahlen.

Das klingt so, als würden Menschen zunehmen überflüssig.

Bass: Wenn sie an die kleinen Jobs denken, trifft das sicher zu. Aber gleichzeitig haben wir Menschen mehr Zeit, wichtigere Dinge zu erledigen. Das ist sicher eine Bereicherung für unser Leben. Und natürlich kommen auch neue Jobs hinzu. So toll diese jedoch sind, ihre Anzahl ersetzt nicht jene Jobs, die im Zuge der Automatisierung verloren gehen.

Wollen wir aus Bequemlichkeit Verantwortung an Maschinen abgeben?

Bass: Auf einige Systeme trifft das bestimmt zu. Schon heute fliegen Flugzeuge grundsätzlich selber. Die Menschen verlassen sich auf den Autopiloten. Wenn also etwas schief geht, kann der Mensch nicht sofort darauf reagieren. Das dürfte auch mit den selbstfahrenden Autos so sein. Heute sterben weltweit jedes Jahr eine Million Menschen im Strassenverkehr. Diese Zahl wird massiv sinken mit solchen Fahrzeugen. Wenn dann aber das System versagt, kommt es zu gravierenden Unfällen.

Roboter sind immer lernfähiger. Werden wir mit ihnen bald Gespräche führen?

Bass: Teilweise tun wird das schon heute. Denken Sie an Siri, der sprechende Computer in den Apple Smartphones. Von Jahr zu Jahr kann Siri mehr und wirkt echter. Es ist nicht auszuschliessen, dass Roboter bald in der Lage sein werden, mit uns normale Gespräche zu führen.