Viel Leben im Central Park

Forscher untersuchen den Boden des bekanntesten New Yorker Parks und werden in reichem Mass fündig. Überraschend ist die enorme Vielfalt.

Nadja Podbregar
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Central Park, New York: Oben sind die Menschen – und darunter ganz, ganz viele Lebewesen. (Bild: fotolia)

Central Park, New York: Oben sind die Menschen – und darunter ganz, ganz viele Lebewesen. (Bild: fotolia)

Der New Yorker Central Park umfasst auf nur 3,41 Quadratkilometern einen See und mehrere Teiche, Rasenflächen und Wäldchen, einen gestalteten Garten sowie Reitwege, einen Zoo und Wildpark. «Der Central Park ist der meistbesuchte Park in der grössten Stadt der USA und geradezu eine Ikone, ein Ort, der Menschen weltweit bekannt ist», erklären Kelly Ramirez von der Colorado State University und ihre Kollegen.

Proben von 596 Orten

Dennoch sei der Boden unter den Füssen der Besucher eine unbekannte Welt. Um dies zu ändern, haben die Forscher erstmals eine systematische Bestandsaufnahme der Lebenswelt im Untergrund des Central Parks durchgeführt. An 596 Orten innerhalb des Parks nahmen sie dafür Bodenproben – im Durchschnitt alle fünfzig Meter eine. Diese Proben analysierten sie nicht mit Mikroskop oder Lupe, sondern nahmen für die Artenbestimmung modernste Methoden der Genetik zu Hilfe. Sie isolierten Abschnitte der Ribonukleinsäure (RNA) von Bakterien, Archaeen (urtümlichen Einzellern) und Eukaryoten, also Lebewesen mit einem höheren Organisationsgrad.

Das Ergebnis war überraschend: «Der Parkuntergrund beherbergt nicht nur eine sehr hohe Artenvielfalt, die meisten der von uns gefundenen Organismentypen sind zudem bisher unbeschrieben», berichten die Forscher. Von den 122 081 verschiedenen Bakterien, 1659 Archaeen und 43 429 Eukaryotenarten im Parkboden fanden sich nur für 8,5 bis 16,2 Prozent Einträge in entsprechenden Artenverzeichnissen und Datenbanken. «Dieses Ergebnis stützt vorherige Annahmen, dass der grösste Teil der Artenvielfalt im Boden unerforscht ist.»

Auch viele Variationen

Noch etwas fiel beim Auswerten der Bodenproben auf: Die Artenvielfalt im Untergrund des Central Parks war ungewöhnlich hoch. Die Forscher stiessen nicht nur auf eine insgesamt sehr hohe Artenzahl, auch die Variation zwischen den einzelnen Proben war sehr hoch.

Die grosse Welt im kleinen Park

Wie gross die Artenvielfalt im Untergrund des Central Parks ist, zeigt auch der Vergleich mit dem Artenspektrum von 52 Bodenproben, die in ganz unterschiedlichen Regionen der Erde genommen wurden – von der arktischen Tundra über Waldböden der gemässigten Breiten und der Tropen bis hin zu Steppen und Savannen Afrikas und Asiens. Trotz seiner geringen Fläche enthielt der Parkboden nur rund 65 Prozent weniger Bakterien und Archaeen und 26 Prozent weniger Eukaryoten, wie die Forscher berichten. «Obwohl nicht alles überall vorkommt, können wir fast genauso viele Bodenarten und Artengemeinschaften in den 3,41 Quadratkilometern des Central Parks finden, als wenn wir einmal um die ganze Welt reisen würden», konstatieren die Wissenschafter.