Versteckte HI-Viren stoppen

Die antiretrovirale Therapie kann eine Infektion mit HI-Viren eindämmen, jedoch nicht heilen. Eine Forschergruppe hat einen Ansatz gefunden, wie versteckte Viren eliminiert werden können.

Elke Bunge
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Die Hoffnung war trügerisch. Ein fünfjähriges, seit der Geburt mit HI-Viren infiziertes Mädchen in Mailand galt von der tückischen Immunschwäche schon als geheilt. Anfang der Woche wurde jedoch bekannt, dass ein erneuter HIV-Test positiv ausfiel, wieder wurden Viren gefunden. Trotzdem scheinen die Ärzte auf dem richtigen Weg zu sein.

Bei den HI-Viren, die 1983 erstmals identifiziert werden konnten, handelt es sich um retroaktive Viren. Dies sind solche, die ihr Erbgut – die DNA – in die Wirtszellen des Menschen schreiben können. HI-Viren lagern sich vor allem in weissen Blutzellen der Immunabwehr des Menschen, den T-Zellen, an. Am Ort angekommen, übertragen die HIV ihren Erbcode auf die Zellen, vermehren sich und infizieren weitere Zellen.

Hier setzt die antiretrovirale Therapie (ART) an, die bei dem Mädchen angewendet wurde. Der genetische Code eines HI-Virus wird bestimmt und mittels eines speziellen Enzyms in das Genom einer Wirtszelle kopiert. Ein HI-Virus, das diese Zelle infizieren will, erkennt den bereits vorhandenen Code und die Zelle als bereits infiziert. Eine Weiterverbreitung wird somit gestoppt. In 98 Prozent der Fälle kann mit einer antiretroviralen Therapie bei HIV-infizierten Schwangeren eine Ansteckung der Kinder im Mutterleib verhindert werden.

Krebsmedikament unterstützt

Die Ergebnisse zeigen trotz des aktuellen Rückschlages, dass die antiretrovirale Therapie der richtige Ansatz zur Bekämpfung von HIV und Aids ist. Einen neuen Denkansatz unternahmen nun Forscher am Istituto Superiore di Sanita (ISS) in Rom und vom pharmakologischen Institut der amerikanischen Universität von Birmingham. An einer Gruppe HIV-infizierter Makaken wandten sie die ART begleitet von in der Krebstherapie benutzten Medikamenten an. Die Forscher nutzten Buthionin-Sulfoximine und Auranofin, eine organische Goldverbindung, von der angenommen wird, dass sie in Vorgänge des Immunsystems eingreifen könnte.

Weitere Infektionen verhindern

Sie stellten fest, dass Auranofin die in den T-Zellen hinterlegte Information der HI-Viren zumindest teilweise zerstört, so dass der Erbcode der Viren nicht weiter übertragen werden kann. Der Effekt ist, dass die von der antiretroviralen Therapie nicht getroffenen «versteckten HIV-Zellen» isoliert und so weitere Infektionen vermieden werden konnten.

«Wir haben die Reservoirs aufgespürt, in denen sich die HI-Viren verstecken und die von der antiretroviralen Therapie nicht getroffen werden», sagt Forschungsleiter Andrea Savarino vom ISS. Kontrolluntersuchungen ergaben, dass das Immunsystem der Affen auch über einen weiteren Zeitraum die Viren abwehren konnte. «Einige Monate verlängertes Leben bei den Affen bedeutet viele Jahre längeres Leben bei Menschen», erklärt Savarino.

Mittel werden gekürzt

Um in der Humanmedizin Anwendung finden zu können, muss die kombinierte Therapie noch klinische Studien durchlaufen. Savarino ist dabei zuversichtlich, dass dies bald in Angriff genommen werden kann. Skeptischer hingegen sieht Forscher Luca Shytaj den weiteren Weg. Denn obwohl die Versuchsreihe erfolgreich war, wurden von zentraler Stelle die Forschungsmittel des Instituts gekürzt. Dabei haben sich bereits Patienten in Italien für eine klinische Studie bereit erklärt. «Die weiteren Forschungen werden wohl bei den Partnern in den USA ausgeführt werden», sagt Shytaj.

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