Diskriminierung

Weg aus Ägypten, um frei zu sein: Wenn lockige Haare ein Schönheitsmakel sind

In Ägypten hat sich Eman ihre Haare früher glätten lassen, denn die Bevölkerung in ihrem Heimatland deklarieren Locken als Schönheitsmarkel. Nun lebt die 26-Jährige in Spanien und hier ist das endlich anders. Allerdings mit Vorbehalt, wie die junge Frau einräumt.

Elia Diehl
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Eman Aldeeb hat wegen ihrem Lockenkopf ihre Heimat Ägypten verlassen. Denn gelockte Haare gelten hier als Schönheitsmakel, als nicht schön. «Die Leute gingen davon aus, dass das ein massives Problem ist – diese Annahmen wirkten sich wirklich auf meine geistige Gesundheit aus», sagt die 26-Jährige, die in Granada, Spanien, lebt.

Sie habe als Kind nie das Gefühl gehabt, dass ihre Haare ein Problem oder hässlich wären. Wie auch, denn sie hatte eine Kurzhaarfrisur wie die Knaben.

Als sie älter und zur jungen Frau wurde, änderte sich dies. Sie hörte Kommentare von Kindern und Erwachsenen wie «Du bist hässlich, deine Haare sind schrecklich, repariere sie». Und sie beugte sich dem gesellschaftlichen Druck, sie wollte aussehen wie die anderen Mädchen. Also ging sie ein- bis zweimal pro Woche in einen Haarsalon und liess sich ihre widerspenstige Mähne glätten.

Und auch ihr Liebesleben beeinflusste die Frisur, die in Ägypten missfalle, weil sie nicht dem Ideal der «europäischen Schönheit» entspreche, erklärt Aldeeb. «Ich werde es ertragen», «ich werde dich immer noch lieben, obwohl deine Haare schrecklich sind» bekam sie Partnern zu hören.

«Anderssein ist überall ein Problem»

Irgendwann sagte sich Eman Aldeeb, so wolle sie nicht mehr leben – sie hatte genug. Sie wanderte nach Spanien aus, wo sie ihre offen tragen kann: «Es ist mein Recht, frei zu sein!»

Die 26-Jährige merkt an, dass sich arabische Länder nicht so sehr von anderen Teilen unterscheiden, wenn es um Diskriminierungen geht. «Anderssein ist überall ein Problem.»