Bern
«Rucksack» hängt noch bis 2014

Erst ab Ende 2014 wird das Berner Münster wieder ohne Gerüst zu bestaunen sein. Nach dem Oktogon steht ab 2011 die Sanierung des Helms auf der Arbeitsliste der Münsterstiftung. Der Verein Heit Sorg zu Bärn kann damit leben.

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Münster

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Berner Rundschau

Bruno Utz

Bedeutende Glasmalereien

Im Berner Münster sind laut Jürg Schweizer, Präsident des Münsterbaukollegiums und kantonaler Denkmalpfleger, die bedeutendsten Glasmalereien des Spätmittelalters in der Schweiz erhalten geblieben. Die Fenster seien im Zweiten Weltkrieg ausgelagert und 1946 so nach innen versetzt wieder montiert worden, dass eine neue Schutzverglasung die Klimatrennung gewährleiste. Diese Methode bewahre die bald 600-jährigen Fester vor weiterem Zerfall. Zwei Hagelwetter hätten im frühen 16. Jahrhundert grosse Schäden angerichtet. Die beiden gegen Süden gerichteten Fenster seien völlig zerstört worden. Die danach mit durchsichtigem Glas versehenen Fenster seien erst 1868 wieder bemalt worden. Diese Fenster seien lange Zeit als minderwertig erachtet und deshalb nicht klimatrennend ummontiert worden. Die im Vergleich zu den mittelalterlichen Malereien kompliziertere und weit empfindlicheren Malereien hätten in den letzten Jahren arg gelitten. «Deshalb haben wir die Scheiben 2008 demontiert, gereinigt und neu montiert und ebenfalls mit einer Schutzverglasung versehen», so Schweizer. (uz)

Seit Juli sammelt der Stadtberner Verein Heit Sorg zu Bärn Unterschriften. Mittels Petition will er erreichen, dass sich das Unseco Weltkulturerbe Bern nicht mit einem «Münster mit ewigem Rucksack» präsentiert. Vor den Medien fragten diese Woche Jürg Schweizer, Präsident des Münstebaukollegiums, und Münsterbauarchitekt Hermann Häberli, rhetorisch: «Was würde ‹Heit Sorg zu Bärn› wohl sagen, wenn der Münsterplatz wegen Steinschlaggefahr abgesperrt werden müsste»?

An der Jahresmedienkonferenz zeigten sie auf, wie notwendig die Sanierung der Turm des mit 101 Metern höchsten Gebäudes der Stadt Bern sei. «Seit 1894 ist das Wind und Wetter ausgesetzte, aus Sandstein bestehende Turm-Oktogon nie saniert worden. Es wäre fahrlässig, dem Zerfall dieses wichtigen Bauteils nicht Einhalt zu gebieten», sagte Schweizer.

Nach der 2008 fertig gestellten Ostseite werde seit anderthalb Jahren auf der Westseite gearbeitet. Im Gegensatz zu früher würden heute nur noch wenig Steine voll ersetzt. Neue Verfahren beschleunigten und verbilligten die Restaurierung stark. Um die mineralischen Restaurierungs-und Fugenmörtel verwenden zu können, dürfe es jedoch nicht kalt sein. Schweizer: «Diese Arbeiten können wir nur in der ‹guten› Jahreszeit ausführen.» Weil man mit der Sanierung sehr gut vorankomme, könne voraussichtlich das Gerüst am Turmachteck Ende 2010 abgebaut werden. «Danach steht jedoch sogleich die Sanierung des 37 Meter hohen Helms an, der ebenfalls seit 1894 nie restauriert worden ist.» Die Erledigung dieser umfangreichen Arbeiten am Seil sei unmöglich. Deshalb werde dem Helm ein Gerüst übergestülpt. «Wir schätzen, die Restaurierung innerhalb von vier Jahren abschliessen zu können. Bis Ende 2014 müssen sich die Berner also daran gewöhnen, dass das Münster teilweise eingerüstet bleibt. Danach wird jedoch für lange Zeit Ruhe einkehren und der Turm nicht mehr eingerüstet sein.»

Selbstbewusstes Bildnis von Diessbach

Im Münster befinden sich mehrere von zu ihrer Zeit bedeutenden Familien gestiftete Seitenkapellen. Im vergangenen Jahr sei die Restaurierung der Mitte des 15. Jahrhunderts an der Ostwand entstandenen Diessbach-Kapelle abgeschlossen worden. Dabei seien Fragmente eines riesigen Wandbildes zum Vorschein gekommen, das im Bildersturm der Reformation und später weitgehend zerstört worden sei, informierte Schweizer. Das Bild habe unter dem effektiven Gewölbe ein gemaltes Gewölbe, mit einer Verkündigung an Maria gezeigt. «Uns überraschte sehr die ebenso gross wie die Maria gemalte Figur des Stifters. Das zeugt vom Selbstbewusstsein der durch Handel, Geschick, Heirat und Begabung kometenhaft aufgestiegenen Familie Diessbach, die heute ausgestorben ist», so Schweizer. Um 1470 hätten die Diessbachs die schweizerische und die europäische Politik namhaft mitgeprägt. Das Hauptverdienst von Niklaus II von Diessbach sei die Ausrichtung der bernischen Politik gegen Westen, die 1536 mit der Eroberung der Waadt ihren Höhepunkt erreicht und damit den Anschluss der französischsprachigen Schweiz an die Alte Eidgenossenschaft gesichert habe. Wie Scheizer sagte, zeugt die Qualität der Malereifragemente von der Farbenpracht und vom Prunkt der Münsterausstattung vor der Reformation.

Unterschriftensammlung verlängert

Übrigens: «Heit Sorg zu Bärn» hat laut Vereinspräsident Hans-Ulrich Gränicher die Unterschriftensammlung für die Petition bis zum 23. September verlängert. Derzeit seien etwa 300 bis 400 Unterschriften eingegangen. «Wir sind zufrieden», sagte Gränicher gestern. Erfreulich sei aus seiner Sicht, dass die Münsterverantwortlichen ihr Anliegen ernst nähmen. Am 23. September werde Hermann Häberli den Verein besuchen und die Interessierten über die Restaurationsarbeiten informieren.

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