NS-Raubkunst
Im Deutschen Bundestag hängt Nazi-Raubkunst aus der Gurlitt-Sammlung

Zwei Werke, welche im Deutschen Bundestag hängen, wurden als Nazi-Raubkunst identifiziert. Eines davon stammt aus der Sammlung der Münchner Familie Gurlitt.

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«Kanzler Bülow spricht im Reichstag» Georg Waltenberger 1905 Quelle: Wikimedia

«Kanzler Bülow spricht im Reichstag» Georg Waltenberger 1905 Quelle: Wikimedia

Der Kunstbeirat des Deutschen Bundestags hat nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung im Parlament Nazi-Raubkunst entdeckt. Das habe ein Sprecher des Bundestagspräsidenten bestätigt, berichtet die Zeitung in ihrer Montagsausgabe.

Bei den Werken handle es sich um das Gemälde "Kanzler Bülow spricht im Reichstag", das Georg Waltenberger 1905 mit Öl malte, sowie die Kreide-Lithographie "Strasse in Königsburg", die Lovis Corinth im Jahr 1918 schuf.

Das zweite Werk stammt laut "Bild" aus den Sammlungen der Münchner Familie Gurlitt, aus denen im Februar 2012 von der Staatsanwaltschaft 1280 Werke wegen des Verdachts auf NS-Raubkunst (Nationalsozialismus-Raubkunst) beschlagnahmt worden waren. Wer die rechtmässigen Besitzer der Werke sind, wollte die Bundestagsverwaltung nicht mitteilen, hiess es in dem "Bild"-Bericht.

Nicht das erste Mal

Bereits vor vier Jahren musste der Bundestag der Zeitung zufolge das von den Nazis gestohlenen Gemälde "Bismarck mit dem Schlapphut" von Franz von Lenbach an die Erben des ehemaligen Besitzers herausgeben.

Seit 2012 ermittle eine Kunsthistorikerin auf Beschluss des Kunstbeirats nach Raubkunst im Bundestag. Die Kunst-Sammlung das Bundestags umfasst insgesamt 4000 Werke. Die bisherige Auswertung, die spätestens im April 2014 abgeschlossen sein solle, habe ergeben, dass 108 Kunstwerke mit ungeklärter Herkunft und Raubkunst-Verdacht im Bundestag hängen, schrieb die "Bild".

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, fordert eine Offenlegung der Liste mit den verdächtigen Werken. "Wenn der Bundestag jetzt Sammlungsverzeichnisse geheim hält, die Presse bei der Aufklärung behindert, Ariseure schützt und Erben nicht benachrichtigt, dann wünsche ich mir von den Verantwortlichen mehr Sensibilität und Fingerspitzengefühl", zitierte ihn die Zeitung.

Der Fundort der Werke: 121 grahmte und 1285 ungerahmte Bilder fanden die Polizisten.
9 Bilder
In diesem Haus in München fanden die Polizisten die Raubkunst.
Sensationeller Fund von Raubkunst in München
Der Eingang zum Appartementhaus, in dem Cornelius Gurlitt über 1400 Kunstwerke bunkerte - «fachgerecht» und «in gutem Zustand».
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Keystone

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