Gericht

Faustschlag nicht gesehen: Freispruch

Erstinstanzlicher Schuldspruch wegen falschen Zeugnisses gegen Limmattaler aufgehoben

Attila Szenogrady
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Laut Anklage hat ein Garagist aus dem Limmattal bei einem Zweikampf einen Faustschlag beobachtet, den Behörden aber bewusst im Rahmen einer falschen Zeugenaussage verschwiegen. Nicht zu beweisen, befand nun das Obergericht.

Streit zweier Kunden

Tatort war der Betrieb des Angeklagten. Der Limmattaler wurde im Mai 2008 Zeuge, wie zwei seiner Kunden bei einem Streit aufeinander losgingen. Laut der Version der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis trug ein heute 37-jähriger Streithahn den Sieg davon. Er versetzt seinem heute 64-jährigen Widerpart einen Faustschlag ins Gesicht und brachte ihm einen doppelten Unterkieferbruch bei. Elf Tage nach dem Vorfall erstattete der Verletzte Anzeige bei der Polizei und löste damit eine Strafuntersuchung gegen den mutmasslichen Schläger aus.

Die Ermittlungen zogen auch für den Garagisten unangenehme Folgen nach sich. Da er als Zeuge gegenüber der Staatsanwaltschaft erklärt hatte, dass er gar keinen Faustschlag gesehen habe, wurde er im Herbst 2009 wegen Meineides unter Anklage gestellt.

Im Februar 2010 kam es für ihn noch schlimmer. Da er eine Vorladung des Bezirksgerichts Horgen übersehen hatte, wurde er in unentschuldigter Abwesenheit anklagegemäss wegen falschen Zeugnisses zu einer bedingten Geldstrafe von 90Tagessätzen zu 130Franken sowie zu einer Busse von 750Franken verurteilt. Der Limmattaler ging in die Berufung und verlangte am Freitag vor dem Zürcher Obergericht einen vollen Freispruch.

Drei Belastungszeugen

Vor Obergericht kam zunächst heraus, weshalb das Horgener Gericht zu einem Schuldspruch gekommen war. So hatten gleich drei Belastungszeugen in einem Restaurant mitbekommen, wie der Mann nach dem Vorfall mit dem Geschädigten gesprochen hatte.

Dabei habe der Angeklagte ausgeführt, dass er vom Faustschlag überrascht gewesen sei, aber davon sicher nichts der Polizei erzählen werde. Da die drei Personen ihre Beobachtungen dem zuständigen Staatsanwalt mitteilten, war dieser vom falschen Zeugnis des Beschuldigten überzeugt.

Der Angeklagte führte vor Obergericht aus, dass er den Streit seiner beiden Bekannten sehr wohl mitbekommen habe. Einen Faustschlag habe er aber nicht gesehen, beteuerte er weiter. Er habe beim Geschädigten auch keine Verletzung wahrgenommen. Dieser habe ohnehin erst vier Tage später einen Arzt aufgesucht, erklärte der Angeklagte.

Wende am Obergericht

Mit Erfolg – so kam das Obergericht einstimmig zu einem Freispruch. Es stufte die Belastungszeugen zwar als glaubhaft ein, kritisierte aber die zum Teil unpräzise Beweisführung und Befragung durch die Staatsanwaltschaft. So sei schlicht nicht erstellt, ob der Angeklagte tatsächlich einen Faustschlag gesehen habe, sagte einer der Oberrichter. Der freigesprochene Mann verliess danach erleichtert den Gerichtssaal. Er hatte sogar auf eine Entschädigung von 500Franken verzichtet.

Das Strafverfahren gegen den mutmasslichen Schläger wegen Körperverletzung ist dagegen immer noch hängig.