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Der Mann und sein Modellbahn-Gen

Die Modellbahn-Börse in Pieterlen ist ein fixes Datum im Jahreskalender eines ernsthaften Modelleisenbähnlers. Gestern war es wieder soweit.

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Schweiz am Sonntag

Andreas Toggweiler

«Gibt es diese Lok auch in Wechselstrom-Ausführung?» - «Diese Mallet dort wäre mein Traum!» - «Ich suche einen Gepäckwagen für den Orient-Express.» Schon morgens um halb zehn ist im Modellbahn-Geschäft Wemoba in Pieterlen kein Durchkommen mehr. Die Kundschaft, fast ausnahmslos Männer im reiferen Alter, ist früh aufgestanden, wenn Wemoba-Inhaber Philipp Wenger jeweils am letzten Samstag im September zur Modellbahn-Börse lädt. Einmal im Jahr werden Preziosen aus Nachlässen oder Sammlungen zu günstigen Preisen verkauft und locken Hunderte Kunden aus der ganzen Schweiz und auch aus dem Ausland an. «Etliche kommen aus Deutschland oder Frankreich», sagt Wenger, der in Pieterlen das grösste Modellbahn-Geschäft der Schweiz aufgebaut hat.

Die jährliche Börse mit Occasionen sei ein Dank für die Kundentreue. Auch im Zeitalter des Internets sei beim Modellbahnkauf das sinnliche Erlebnis durch nichts zu ersetzen. «Die Kunden wollen tasten, fühlen, sehen. Das geht nur im Laden.» Manche machen bei dieser Gelegenheit auch gleich ihren Jahreseinkauf aus dem regulären Sortiment, andere kommen einfach, um zu schauen.

Wie beispiesweise Bernhard Husner (64) aus Reitnau AG. «Ich habe zwar schon fast alles, bin aber gespannt auf Neuigkeiten», sagt der H0-Bähnler. Marc Trittibach aus Därligen am Thunersee kommt, um neue Schweizer Modelle für seine Vitrinensammlung zu entde-cken. «Ich wäre gern Lokführer geworden, konnte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht», sagt der 28-jährige Automechaniker. Gilbert Mottaz aus Genf fährt schon seit zehn Jahren mit einem ganzen Car voll Modellbahnfans aus der Region Genf nach Pieterlen. «Die Auswahl hier ist am grössten, und man trifft viele Gleichgesinnte zum Fachsimpeln.»

Wenn der Männerchor Pieterlen dazu noch eine Bratwurst und ein Bier serviert, können die Diskussionen losgehen. «Für mich gibts nur Märklin-Wechselstrom, und das seit ich fünfjährig bin», so Hans Martin Schaub aus Mutschellen AG. Andere schwören auf Spur- N-Modelle, auch wenn diese in der Modellbahnwelt ein Nischendasein führen. «Es gibt beim Mann das Modellbahn-Gen, das die Spurweite festlegt. Man kann es nur schwer umprogrammieren», witzelt einer.

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