Der Hallwilersee kostete 30 000 Franken

Ein Bad- und Waschverbot im Hallwilersee? Heutzutage kaum mehr vorstellbar. Und doch ist es erst 160 Jahre her, dass ein solches Verbot existierte – ausgesprochen von Theodor von Hallwyl, der noch bis 1859 den See sein Privateigentum geltend machte.

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Der Hallwilersee kostete 30 000 Franken

Der Hallwilersee kostete 30 000 Franken

Irena Jurinak

Sechs Aargauer und drei Luzerner Gemeinden grenzen an den Hallwilersee – überraschenderweise gehört dazu auch die Gemeinde Fahrwangen, die doch scheinbar weit weg vom See am Lindenberg liegt (AZ vom 3.August). Der schmale Seezugang ist historisch bedingt, die Grafschaft Fahrwangen habe schon im Mittelalter einen Seeanstoss gehabt, erklärt Daniel Humbel, Präsident der historischen Vereinigung Seetal.

Die Grenzen auf dem See wurden erst zwischen 1863 und 1865 festgelegt, denn bis 1859 war der Hallwilersee im Besitz der Herren von Hallwyl – als Vögte des Sees, wie Reinhold Bosch schreibt (Reinhold Bosch: «Wie der Hallwilersee in den Besitz des Kantons Aargau überging», in Heimatkunde aus dem Seetal 33-34, 1959-60, herausgegeben von der historischen Vereinigung Seetal).

Erst nachdem der Staat Aargau den Hallwilersee zum öffentlichen Gewässer erklärt und Theodor von Hallwyl alle Rechte abgekauft hatte, fanden die Vermarchung des Sees und die Festsetzung der Gemeindegrenzen auf dem See statt. 30000 Franken kosteten den Aargau die Rechte an Fischerei, Schifffahrt, Schilf und Rohr, Grien und Sand.

Zur Burg gehörte ein Teil des Sees

Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts war es den Herren von Hallwyl gelungen, die Fischenzen (Fischereirechte) am Nordende des Sees in ihren Besitz zu bringen. Zudem gehörte zum Bezirk der Burg Hallwyl ein 67 Hektaren umfassendes Seestück, das nur durch hallwylsche Knechte oder mit ausdrücklicher herrschaftlicher Bewilligung befahren werden durfte.

Die sechs im Freiamt regierenden Orte versuchten den Herren von Hallwyl Ende des 15. Jahrhunderts die Rechte abzusprechen, was dank der Unterstützung der Berner für die Vögte nicht gelang. Die Fischenzen am Südende des Hallwilersees – im luzernischen Gebiet – gehörten dem Stift Beromünster, das schon 1045 im Besitz einer Fischenz in Beinwil gewesen war. Auch heute hat die Gemeinde Beromünster einen Anstoss an den Hallwilersee, dank der Fusion mit der Gemeinde Schwarzenbach im Jahre 2004. Ein Teil des Seegebietes im Kanton Luzern gehört ausserdem der Hallwil-Stiftung. Ebenfalls im luzernischen Teil grenzt Hitzkirch nach der Fusion mit Mosen und 5 weiteren Gemeinden im letzten Jahr sowohl an den Hallwiler- als auch an den Baldeggersee.

Streitigkeiten um den See

Mit dem Sturz der alten Eidgenossenschaft 1798 verloren die Herren von Hallwyl ihre Herrschaftsrechte, der See blieb trotzdem in ihrem Privateigentum. Allerdings kam es danach immer wieder zu Streitigkeiten mit den Seegemeinden. So prozessierten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Brüder Leutwiler aus Birrwil erfolgreich gegen ein von Carl Franz von Hallwyl verhängtes allgemeines Verbot über die Fischenz.

Zu jener Zeit begannen auch Diskussionen um eine Tieferlegung des Sees. Die Gemeinden Beinwil, Birrwil, Alliswil, Boniswil, Meisterschwanden, Aesch und Mosen beklagten sich beim kleinen Rat des Kantons Aargau darüber, dass die Ufer lange Zeit überschwemmt würden, weil die Herren von Hallwyl nicht für den richtigen Abfluss des Wassers sorgten.

Bad- und Waschverbot

1853 reichten schliesslich die Behörden von 22 Gemeinden des Seetales und Umgebung eine Petition beim Regierungsrat ein, um die Rechte der Herren vony am See an sich zu ziehen, falls nötig auch durch Enteignung – nachdem Theodor von Hallwyl sogar ein Bad- und Waschverbot verhängt hatte. Man kam zum Schluss, dass das Fähr- und Fischereirecht im Besitz des Hauses Hallwyl war, der See jedoch nicht. In einem Gesetz erklärte der Kanton den aargauischen Teil des Hallwilersees zum öffentlichen Gewässer.

Heute wird der Hallwilersee an drei Netzfischer verpachtet, für die Angelfischerei sind verschiedene Fischerkarten erhältlich, ausserdem darf jedermann ohne besondere Freianglerkarte das Freianglerrecht ausüben. Baden ist notabene auch erlaubt.

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