Velofahren für starke Nerven

Sport hilft gegen Stress – besonders bei Frauen, die schon einmal unter einer Depression gelitten haben. Das ergab eine Studie der Uni Basel.

Diana Bula
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Wer nach einem anstrengenden Tag aufs Velo sitzt und losfährt, fühlt sich oft schon nach einigen Minuten entspannter. Körperliche Betätigung fördert das seelische Gleichgewicht, das ist bekannt. Doch wie wirkt sich Training auf einst depressive Frauen aus? Dieser Frage gingen Wissenschafter um die 34jährige Jutta Mata von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel nach.

Velofahren oder lesen

Die Wissenschafter haben dafür gesunde mit einst depressiven Frauen – insgesamt 81 Probandinnen im Alter von 18 bis 58 Jahren – verglichen. Während die eine Hälfte der beiden Gruppen für 15 Minuten auf dem Hometrainer pedalte, schmökerte die andere in Heftchen. Danach spielten Mata und ihre Berufskollegen den Frauen zwei traurige Filmausschnitte vor. «Die Gesunden zeigten einen starken negativen Effekt nach dem ersten Filmausschnitt und eine geringere Reaktion auf die zweite Szene», schildert Jutta Mata ihre Beobachtungen. Zwischen Trainierenden und Lesenden hätten sich bei den Gesunden keine Unterschiede ergeben.

Ein anderes Bild zeigte sich hingegen bei den einst depressiven Frauen. Die Lesenden berichteten von einem «starken negativen Effekt» bei der ersten Szene und einem «noch stärkeren» nach der zweiten. Bei der trainierenden Gruppe hingegen fiel die Reaktion nach dem zweiten Einspieler schwächer aus – «ein ganz ähnliches Reaktionsmuster wie bei den Gesunden», sagt Mata.

Sport im Alltag

Frauen erkranken fast doppelt so häufig an Depression wie Männer. Meist bleibt es nicht bei einer «depressiven Episode»: Über 80 Prozent der betroffenen Frauen schlittern in eine weitere Depression. Einmal erkrankt reagiert die Betroffene stärker auf Stress als ihre gesunden Mitmenschen.

«Da kann schon ein bisschen Bewegung helfen», fasst Jutta Mata das Resultat ihrer Studie zusammen und fügt hinzu: «Das Tolle daran ist, dass man dafür nicht unbedingt ein Abo in einem Fitnesscenter lösen muss. Die unterstützenden Massnahmen lassen sich in den Arbeitsalltag einbinden.» So könne man mit dem Velo statt dem Bus zur Arbeit fahren. Oder zu Fuss ins Büro gehen.

«Alle haben Durchhänger»

Doch setzen nicht gerade Frauen mit einem Risiko zur Depression das Training eher aus? Mata: «Durchhänger gibt es bei allen. Viele lösen ein Fitnessabo und tauchen nach kurzer Zeit nicht mehr im Center auf.» Doch setze sich eine Frau, die während ihrer Depression zu fast nichts mehr in der Lage gewesen sei, tatsächlich ein paar Mal auf den Hometrainer, so könne dieses Erfolgserlebnis das Selbstwertgefühl steigern.

Wer regelmässig Sport treibe, dessen Körper stehe zudem immer wieder ein bisschen unter Stress. Mata: «Diese Kontinuität wirkt wie eine Impfung. Die Frau geht auch mit dem Alltagsstress besser um.» So könne eine kurze Einheit Sport vielleicht sogar vor weiteren Depressionen schützen.