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UNWETTER: «Burglind» bringt vieles ins Wanken

Sturmtief Burglind hat schweizweit zu Beeinträchtigungen und Schäden geführt. Umgestürzte Bäume und herunterfallende Dachziegel beschädigten Fahrzeuge, blockierten Strassen, Schienen und Seilbahnen. Mindestens 16 Personen wurden verletzt.
Richard Clavadetscher
Links: Der Wind ist so stark, dass dieser Mann in Vevey am Genfersee von den hohen Wellen beinahe überrollt wird. Oben rechts: Auf der A1 bei Oensingen kippten mehrere Fahrzeuge um. Die Autobahn blieb über zwei Stunden gesperrt. Unten rechts: In Lenk wurde ein Zug der Montreux-Berner-Oberland-Bahn vom Wind aus den Gleisen gehoben. (Bilder: Laurent Gilliéron/EPA, Christian Merz/Keystone, Anthony Anex/Keystone)

Links: Der Wind ist so stark, dass dieser Mann in Vevey am Genfersee von den hohen Wellen beinahe überrollt wird. Oben rechts: Auf der A1 bei Oensingen kippten mehrere Fahrzeuge um. Die Autobahn blieb über zwei Stunden gesperrt. Unten rechts: In Lenk wurde ein Zug der Montreux-Berner-Oberland-Bahn vom Wind aus den Gleisen gehoben. (Bilder: Laurent Gilliéron/EPA, Christian Merz/Keystone, Anthony Anex/Keystone)

Richard Clavadetscher

Der Sturm Burglind ist gestern mit Böenspitzen von bis zu 200 km/h durch die Schweiz gefegt. Mindestens 16 Menschen wurden verletzt, davon acht bei der Entgleisung eines Bahnwaggons im Berner Oberland. Eine Windböe hatte den Triebwagen aus den Gleisen gehoben. Im Kanton Aargau kam eine Person zu Schaden, als ein herabstürzender Baum ein Auto traf. In Worb bei Bern wurde ein Auto von einem umstürzenden Baum getroffen. Der Lenker sowie ein mitfahrendes Kind wurden leicht verletzt ins Spital gebracht. In Biberist SO fiel ein Baum auf ein Auto, und der Lenker wurde leicht verletzt. Im Kanton Neuenburg stürzten zwei ältere Menschen, weil der Wind sie umwehte.

Die SBB sprechen in ihrer Unwetterbilanz von ausserordentlich vielen und gleichzeitigen Fahrleitungsstörungen. Der starke Wind habe Gegenstände – etwa Blachen oder Baunetze – in die Fahrleitungen geweht. Fahrleitungsequipen und das Personal in den Betriebszentralen der SBB waren pausenlos im Einsatz. Auch etliche Strassen waren wegen Sturmschäden gesperrt. Die Autobahn A1 war im Kanton Solothurn in Richtung Bern ab Oensingen über zwei Stunden nicht passierbar. Wegen des Sturms waren zwei Lastwagen und fünf Lieferwagen umgekippt. Die Polizei meldete zudem eine gerissene Hochspannungsleitung.

Kantonspolizeien registrierten über 2000 Meldungen

Störungen gab es auch im Flugverkehr: Am Flughafen Zürich mussten rund 40 Flüge annulliert werden. Mindestens sieben wurden umgeleitet, wie eine Sprecherin sagte. Etliche Flugzeuge mussten durchstarten. Basel-Mülhausen verzeichnete bei insgesamt 170 planmässigen Starts und Landungen 15 gestrichene und 5 umgeleitete Flüge.

Bei den Kantonspolizeien gingen im Verlaufe des Tages über 2000 Schadenmeldungen ein. Umgestürzte Bäume, weggewehte Tafeln und Bauabschrankungen oder abgedeckte Dächer waren Gründe für Meldungen. In Chur stürzte die Krone eines Mammutbaumes auf ein Marronihäuschen in einer belebten Einkaufsstrasse. Verletzt wurde niemand. Im Berner Tierpark Dählhölzli beschädigte der Sturm Gehege, unter anderem von Wölfen, Bären und Wildschweinen.

Stromausfälle wegen des Sturms betrafen mehrere zehntausend Menschen in verschiedenen Landesteilen. Im Kanton Bern waren etwa 14 000 Stromabnehmer betroffen, dies vor allem im Berner Jura, im Emmental und im Oberland. Mehrere tausend Menschen hatten am rechten Zürichseeufer keinen Strom, weil Bäume auf eine Hochspannungsleitung stürzten. Auch im Neuenburger Val-de-Travers betraf ein Stromunterbruch rund 10 000 Personen.

Orkanstärke auch im Flachland

Die gestern gemessenen Windgeschwindigkeiten sind eindrücklich: Gütsch ob Andermatt verzeichnete 201 km/h, der Pilatus 195 km/h, der Säntis 161 km/h. Für den Pilatus bedeutet dies Rekord: Seit Messbeginn im Jahr 1981 wehte der Wind dort noch nie so stark. Aber auch im Flachland hatte der Sturm vielerorts Orkanstärke. Von einem Orkan spricht man ab einer Windstärke von 64 Knoten (117,7 km/h). Winde dieser Heftigkeit sind laut Meteo Schweiz ein eher seltenes Ereignis: Grade mal alle zehn bis zwanzig Jahre gibt es sie im Schnitt.

Bleibt die Frage, weshalb Stürme überhaupt einen Namen haben. Die Idee stammt aus Amerika, wo die Meteorologen während des Weltkriegs Taifunen Namen gaben, um sie besser auseinanderhalten zu können. Seit 1954 werden Wetterphänomene auch in Europa benannt: Hoch- und Tiefdruckgebiete werden vom Institut für Meteorologie der FU Berlin mit Namen versehen. Bis 1998 war es üblich, Tiefdruckgebieten einen weiblichen, Hochdruckgebieten einen männlichen Namen zu geben. Weil aber Frauen nicht immer für schlechtes Wetter – als Folge des Tiefdrucks – verantwortlich sein wollten, kam Kritik aus ihren Reihen. Als Kompromiss wechseln seitdem Hoch- und Tiefdruckgebiete jährlich das Geschlecht. 2018 sind die Tiefdruckgebiete weiblich.

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