Unterwegs in Sätzen

Belles Lettres

Bettina Kugler
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Wie es sich anfühlte, als Kind auf der Flucht zu sein und als misstrauisch beäugter Fremdling in einer neuen Heimat: Peter Härtling hat es nie vergessen und oft davon erzählt. Als Elfjähriger war er mit der Mutter aus Mähren vor der Roten Armee geflohen. Der Vater starb in Gefangenschaft, die Mutter nahm sich, angekommen in Württemberg, das Leben. Wie vielerorts waren «d’Flichtling» dort Aussenseiter. Echte Zuflucht fand Härtling früh in Büchern. «Ich las und las. Nach dem Tod der Mutter reiste ich gleichsam auf Sätzen», erinnert er sich in der kleinen autobiografischen Schrift, die 2013 zum 80. Geburtstag erschien.

Auf Sätzen ist der Romancier und Lyriker, der engagierte Verlagsleiter und unbeirrbar realistische Kinderbuchautor bis zu seinem Tod im Juli gereist. Konsequent schrieb er sowohl für Kinder als auch für Grosse. Er folgte den Lebensspuren romantischer Künstler, näherte sich ihnen mit verwandter Seele und kindlicher Neugier – die er sich bis zum letzten, überaus aktuellen Roman bewahrte. «Djadi, Flüchtlingsjunge» kreist noch einmal um sein Lebensthema; es verbindet die Erfahrung eines traumatisierten Buben aus Syrien mit den Erinnerungen eines alten, todkranken Kriegskindes.

Bettina Kugler

Peter Härtling: 80. Versuch einer Summe, Radius.