Unterschätzte Sonne

Nach dem grauenhaften Frühling erfreuen wir uns des Sommers. Die Sonne verleitet zum Leichtsinn: Das Krebsrisiko in der Schweiz wird unterschätzt.

Lukas Scharpf
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Seit vielen Jahren schützen sich die Menschen mit Crème gegen die Sonne. Doch noch immer wählen sie oft eine mit zu tiefem Schutzfaktor. (Bild: getty/Hulton Archive)

Seit vielen Jahren schützen sich die Menschen mit Crème gegen die Sonne. Doch noch immer wählen sie oft eine mit zu tiefem Schutzfaktor. (Bild: getty/Hulton Archive)

Die Grundregeln des Sonnenbadens sind bekannt. Die Tatsache, dass UV-Strahlen nicht nur Sonnenbrand, sondern auch Hautkrebs verursachen, lernt man in der Schule. Aber das Wissen um die Risiken hält viele nicht davon ab, sich leichtsinnig den Gefahren auszusetzen. «Wenn Sie in eine Badi gehen, sehen Sie, dass die Aufklärung noch zu wenig greift», sagt Christoph Brand, Chefarzt am Zentrum für Dermatologie und Allergologie des Luzerner Kantonsspitals.

Brand registriert in den letzten Jahren eine klare Zunahme an Hautkrebsfällen. Laut der Krebsliga erkranken etwa 2100 Menschen jährlich in der Schweiz an einem malignen Melanom – dem schwarzen Hautkrebs. Das sind sechs Prozent aller Krebserkrankungen. Für rund 290 endet dieser Hautkrebs tödlich und tritt oft schon bei Jüngeren auf. Zudem ist ein Drittel der Betroffenen bei der Diagnose unter 50 Jahre alt.

Um den Mittag Sonne meiden

Die stärkste Sonneneinstrahlung, zwischen 11 und 15 Uhr, sollte gemieden werden. Das empfehlen das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sowie die Krebsliga. Den Körper sollte man mit Kleidern, Hut und Sonnenbrille schützen. Das gilt umso mehr bei Kindern. Bei der Wahl der Sonnencrème ist entscheidend, dass das Produkt sowohl gegen UVB- wie auch UVA-Strahlen schützt.

Die UVA-Strahlen des Sonnenlichts dringen in die tieferen Hautschichten ein (siehe Grafik). Die Verbrennungen geschehen nicht an der Oberfläche und sind im Gegensatz zum Sonnenbrand nicht sichtbar. «Die Leute müssen darauf achten, dass das UVA-Logo auf dem Produkt steht», sagt Carole Meylan. Sie ist beim BAG zuständig für Kosmetika, wozu auch Sonnencrème gehört. Das Logo besteht aus einem Kreis mit den Buchstaben «UVA» in der Mitte. Nach der auch in der Schweiz angewendeten EU-Empfehlung darf das Logo nur verwendet werden, wenn mindestens ein Drittel der Schutzfilter in der Crème vor UVA-Strahlen schützt.

Bei den UVA-Filtern gibt es allerdings einen Nebeneffekt. Oft verursachen sie gelbliche Flecken auf Textilien. Es hilft, wenn man sich erst an- oder umzieht, wenn die Sonnencrème ganz in die Haut eingezogen ist.

Schutzfaktoren in der Praxis

Laut Brand kann man den Angaben zu den Schutzfaktoren grundsätzlich vertrauen. Theoretisch verlängert sich mit einer Sonnencrème mit Schutzfaktor 30 die Dauer, bis man einen Sonnenbrand bekommt, um den Faktor 30. Laut BAG muss man diese Regel in der Praxis aber um die Hälfte nach unten anpassen – insbesondere bei Kindern. Der Lichtschutzfaktor (LSF), der auf den Produkten angegeben wird, ist immer eine Mindestangabe. Eine Sonnencrème mit einem LSF von 30 auf der Tube muss effektiv im Schutzbereich von Faktor 30 bis 49 (hoch) liegen. Ab Faktor 50 (sehr hoch) beginnt die nächste Kategorie. In der Schweiz und Europa dürfen Produkte mit einem LSF von unter 6 nicht als Sonnenschutz verkauft werden. Die Wirkung ist zu niedrig. In Australien gilt dies sogar für alle Schutzfaktoren unter 25. Es gibt zwei verschiedene Typen von Schutzfiltern: mineralisch-physikalische und organisch-chemische. Erstere funktionieren wie ein Spiegel. Sie reflektieren die UV-Strahlen. Organisch-chemische hingegen wandeln die UV-Strahlen in Wärme um. «Um einen breiten Schutz zu gewährleisten, wird eine Kombination von Schutzfiltern in Sonnencrèmes eingesetzt», sagt BAG-Expertin Meylan.

«Produkte sind sicher»

Beide Arten von Schutzfiltern standen schon in der Kritik. Zum Teil werden organisch-chemischen UV-Filtern hormonaktive Wirkungen nachgesagt, ähnlich wie Östrogene. Diese Daten basierten auf tierexperimentellen Daten und könnten nicht auf den Menschen übertragen werden, sagt Dermatologe Brand. «Zudem ist etwa die hormonaktive Wirkung von Soja deutlich höher», sagt Brand.

Bei mineralisch-physikalischen Filtern dreht sich die Kritik um verwendete Nanopartikel wie Titandioxid, die aufgrund ihrer Grösse in tiefere Hautschichten gelangen könnten. Die Bedenken gegen beide Schutzfilter sind in der Wissenschaft jedoch umstritten. «Wir verfolgen wissenschaftliche Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene. Nach aktuellem Stand sind die Produkte sicher», sagt BAG-Expertin Meylan.

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