Unsere Alten in ihrer Kaserne

Lukas Bärfuss, vom «Tages-Anzeiger» mit einem nur kleinen Fragezeichen zum Max Frisch unserer Tage hochgeschrieben, hat eine ganz bestimmte Vorstellung von seinem eigenen Alter.

Rolf App
Drucken
Teilen
Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

Lukas Bärfuss, vom «Tages-Anzeiger» mit einem nur kleinen Fragezeichen zum Max Frisch unserer Tage hochgeschrieben, hat eine ganz bestimmte Vorstellung von seinem eigenen Alter. Ihm wäre eine Bank auf einem belebten Platz lieber als ein Platz im Altersheim, sagt der 43-Jährige im «Sonntags-Blick». «Man könnte mich morgen hinschieben und abends wieder abholen.» Was der Schriftsteller entschieden ablehnt, ist «die grossflächige Kasernierung unserer Alten».

Julia Onken findet, dass man im Altersheim «verblödet». Sie hat ihre Zukunft mit ihren Töchtern geregelt. «Haben sie das Gefühl, dass ich nur noch Mist erzähle, dann werden sie mich nicht mehr an die Öffentlichkeit lassen», erzählt die 73-Jährige in derselben Zeitung. Falls sie beeinträchtigt würde, denke sie «eher an eine Art Wohngemeinschaft, wo sich Leute im gleichen Alter gegenseitig helfen». Denn im Altersheim gehe es «immer sehr schnell bergab. Alles wird einem erledigt, so kommen die Menschen dort in eine totale Passivität. So macht das Leben keinen Spass mehr».

Um keinen Preis also ins Altersheim. Was aber, wenn Julia Onkens Gleichaltrige auch nicht mehr aus dem Rollstuhl hochkommen. Oder wenn Lukas Bärfuss verwirrt über seinen belebten Platz irrt? Dann sind sie vielleicht doch froh, wenn eine junge Pflegerin sich ihrer annimmt. Sich liebevoll um sie kümmert, wie man es durchaus erleben kann – in den realen Altersheimen nämlich, nicht an jenen Schreckensorten, die sich die beiden in ihrer Angst vor dem Alter so ausmalen.