Unser Schnee liegt in England

Jetzt endlich kommt der Schnee in die Schweiz, der nicht nur im Flachland, sondern auch in den Bergen gefehlt hat. Diesen Winter war die Schneearmut, auch im Vergleich zu früheren Jahren, extrem, wie Stephan Bader von MeteoSchweiz erklärt.

Bruno Knellwolf
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Von Wetterphänomenen lässt man sich leicht täuschen. Die subjektive Wahrnehmung deckt sich, wenn es um Schnee, Hitze oder Nebel geht, oft nicht mit den Daten, welche die Meteorologen ihren Messstationen entnehmen. Doch diesmal waren die Bilder von den grünen Hängen in den Berg- und Skigebieten, über die sich eine schmale weisse Spur Kunstschnee zog, eindeutig und nicht trügerisch, wie Stephan Bader von der Abteilung Klima von MeteoSchweiz bestätigt. «Die Schneelage, also die Schneelosigkeit und Schneearmut bis in grosse Höhen, war vor allem im Alpenraum extrem», erklärt Bader.

Zwei vergleichbare Jahre

Um ähnlich magere Schneeverhältnisse zu erkennen wie diesen Winter, muss der Meteorologe in der Statistik weit zurückblicken. «Beurteilt nach der Schneemessreihe Davos ab 1931 sind die Dezember-Schneeverhältnisse der Jahre 1953 und 1961 vergleichbar mit dem Dezember 2015», sagt Bader. 1953 war das Skifahren in Davos – noch ohne Kunstschnee – lange Zeit nicht möglich. Vom 1. bis 20. Dezember lag überhaupt gar kein Schnee. Dann schneite es ein wenig, so dass bis nach Weihnachten zwischen sechs und elf Zentimeter im Bündner Tourismusort lagen. Erst danach gab es winterliche Verhältnisse, und am Neujahr lagen rund dreissig Zentimeter Neuschnee.

Auch im Jahr 1961 sah es in den Bündner Skiorten schlecht aus. Gerade mal fünf Zentimeter wurden Ende Dezember 1961 in Davos gemessen. Immer noch mehr als Ende Dezember 2015, als die Schneehöhe gar von sieben Zentimetern zu Monatsbeginn auf null Zentimeter schrumpfte. Der Vergleich zeigt aber, dass es solch grüne Verhältnisse in den Alpen auch schon früher gegeben hat.

Sehr trockener November

«Die geringen Schneehöhen 2015 waren eine Folge des sehr trockenen und milden Novembers und des anschliessenden, ebenso trockenen und noch milderen Dezembers», sagt Bader. Es war der drittwärmste November und der mildeste Dezember seit Messbeginn 1864. In höheren Lagen wurde die Norm gar um 4 bis 6 Grad übertroffen. Zwar habe es in Davos schon einige Dezembermonate ohne Schneefall gegeben, diesmal gab es aber zusätzlich auch keine Schneereserven aus dem sehr sonnigen November.

Überschwemmungen

Nicht nur die hohen Temperaturen, sondern auch die Trockenheit war also für das fehlende Weiss verantwortlich. Wo ist denn all der Niederschlag hin, der sich sonst über Mitteleuropa niederlässt? «Durch das anhaltende kräftige Hoch über dem Mittelmeer, welches bis Mitteleuropa aktiv war, wurden die atlantischen Niederschlagsfronten über England und Nordeuropa nach Osten transportiert», erklärt Stephan Bader. Deshalb gab es in England im Dezember diese verheerenden Überschwemmungen, während bei uns an Weihnachten wegen der Trockenheit Waldbrandgefahr herrschte.

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