Ungebremst in die Pension

Andreas Stock
Drucken
Teilen

«Kreativität bewahrt mich davor, einzurosten», sagt Kuno Bont. Im Fall des umtriebigen Rheintalers eine unbegründete Befürchtung. 2015 brachte er sein Spielfilmdébut «Das Deckelbad» ins Kino. Dieses Jahr recherchierte er für zwei neue Filmprojekte. Ein Spielfilm soll «das Psychogramm eines Familienvaters» werden. «Mich interessiert, wie Menschen reagieren, die in eine schwierige Situation geraten sind», sagt Bont. Schon weiter fortgeschritten ist die Vorbereitung eines Dokumentarfilms, den er nächstes Jahr drehen will. «Ich möchte Leute in einer Kleinstadt porträtieren und aufzeigen, wie sich die Wertehaltung in der Gesellschaft verändert hat.»

Wer den Rheintaler Kulturschaffenden kennt, wundert sich nicht, dass das nicht alles ist. Er hat zudem die nächste Produktion der Freilichtbühne Rüthi geschrieben, die er auch inszenieren wird. «Eine zutiefst rheintalische Geschichte um einen Schmugglerkönig, vor dem Hintergrund des Rheindurchstichs in Diepoldsau, der die Leute in den 1920er- Jahren stark geprägt hat.» Für das Stück, das im September Premiere feiert, beginnt im Februar die Verteilung der Rollen. Mit dem Leitungsteam arbeite er seit vielen Jahren, was den grossen Aufwand erleichtere. Bont verbindet damit auch eine Verpflichtung: «Wir wollen etwas Gutes machen, die Aufführungen sind ein Stück Volkskultur.»

«Der wichtigste Termin ist im Mai»

Dieses Selbstverständnis, etwas für eine lebendige Kultur im Rheintal zu tun, geht über eigene Projekte hinaus. Als Anfang Jahr das Ende der Werdenberger Schlossfestspiele drohte, schrieb Bont einen Leserbrief, der grosse Aufmerksamkeit erregte. Das führte dazu, dass ein neuer Genossenschaftsvorstand gewählt wurde und er in einer Arbeitsgruppe beteiligt war, die sich Gedanken über die Zukunft der Schlossfestspiele machte. Vor wenigen Wochen wurde diese Zukunft präsentiert: 2018 wird die Verdi-Oper «La Traviata» produziert. Die Aufführung wird nicht mehr auf dem Schloss, sondern unten am See sein, unter der Regie von Bont. Politisch wirkte er in einer Gruppe mit, die Überlegungen zum neuen kantonalen Kulturgesetz einbrachte.

Langweilig wird es dem Rheintaler also auch 2017 nicht. Darum legt sich ein Grinsen ins bärtige Gesicht, als er sagt: «Der wichtigste Termin ist im Mai – dann werde ich pensioniert.» Mit Blick auf sein Arbeitspensum wird er zwar folgenlos bleiben, aber er lässt den freischaffenden Künstler «einen sicheren Hafen erreichen». Die Selbständigkeit sei eine anspruchsvolle Zeit gewesen. Die Rente nehme etwas Druck weg. Denn Bont will von Kulturprojekten nicht nur träumen, sondern sie auch umsetzen.

Andreas Stock