Übertriebene Angst vor den Tierchen

Nähern sich Wespen einem Tisch, werden viele Menschen hysterisch und hektisch, reagieren mit übertriebener Angst. «Die Stiche sind schmerzhaft, vielleicht wurden sie in der Kindheit einmal gestochen», vermutet Rainer Neumeyer. Phobien kenne man aber vor allem bei Schlangen und Spinnen.

Merken
Drucken
Teilen

Nähern sich Wespen einem Tisch, werden viele Menschen hysterisch und hektisch, reagieren mit übertriebener Angst. «Die Stiche sind schmerzhaft, vielleicht wurden sie in der Kindheit einmal gestochen», vermutet Rainer Neumeyer. Phobien kenne man aber vor allem bei Schlangen und Spinnen. Dahinter verstecke sich wohl ein evolutionärer selektiver Vorteil.

Die Angst wird durch komplexe biologische Mechanismen geregelt, die das Resultat von Millionen Jahren Evolution sind. Es gibt generelle Angststörungen sowie Phobien direkt auf ein Objekt, ein Tier oder eine Situation. In der Hitparade der Phobien findet man die Tierphobien in der Spitzengruppe. Die Forscher fragten sich deshalb, ob es im Hirn eine Art Programmierung gibt, die Menschen bei Begegnungen mit Tieren besonders empfindlich reagieren lässt. Die Forscher führen dafür eine Hypothese an: Unsere Vorfahren lebten ohne Bekleidung in warmen, oft feuchten Regionen und waren Raubtieren und Gefahren ausgesetzt, auch Spinnen und Schlangen. Durch die natürliche Selektion wurden jene favorisiert, die eine angeborene, genetisch verankerte Angst vor diesen Tieren hatten. Nach dieser Hypothese sollen wir diesen Wesenszug geerbt haben. Bewiesen wurde diese These allerdings nicht. Sicher ist die Phobie eine starke, hypersensible Reaktion der Amygdala auf ein Tier. Der Phobiestimulus ist tief im Gedächtnis eingeprägt. Da bietet die Medizin übrigens die Strategie der schrittweisen Konfrontation. Therapeutische Verfahren sind bei Phobien besonders erfolgreich. (Kn.)