Üben, üben, üben, liebe Eltern!

Mütter und Väter sind Mängelwesen. Zumindest, wenn es um Zaubertricks und Kompetenzen geht, die wirklich wichtig sind im Kinderleben. Häkeln zum Beispiel. Ein paar hässliche Luftmaschen bekäme ich wohl so eben noch hin.

Bettina Kugler
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Für Bettina Kugler (Bild: Bettina Kugler)

Für Bettina Kugler (Bild: Bettina Kugler)

Mütter und Väter sind Mängelwesen. Zumindest, wenn es um Zaubertricks und Kompetenzen geht, die wirklich wichtig sind im Kinderleben. Häkeln zum Beispiel. Ein paar hässliche Luftmaschen bekäme ich wohl so eben noch hin. Doch einen Topflappen oder ein dekoratives Gwändli für den Joghurtbecher? Sicher nicht! Auch Inlineskaten, Loomband-Knüpfen, den Köpfler rückwärts vom Beckenrand oder die Arschbombe vom Dreimeterbrett habe ich bislang noch nie praktiziert. Ich fürchte auch, es ist schon reichlich spät, jetzt damit anzufangen.

Vor ein paar Tagen haben wir uns daran versucht, das schier unaussprechliche Wort «Superkalifragilistigexpialigetisch» fehlerfrei über die Lippen zu bringen – und zwei Minuten später immer noch im Kopf zu haben. Probieren Sie's! Es dauerte etwa so lange, wie ein Kind braucht für das ganze kleine Einmaleins. Die Mädchen trällerten derweil das Lied, das so beginnt, als hätten sie eine Nanny namens Mary Poppins. Noch Fragen?

Natürlich kann es sein, dass Frühchinesisch oder Formatierungsdetails in Office 365 wichtigere Bildungsinhalte heutiger Primarschülerinnen sind. Doch als gute «Lernbegleiter», die wir Eltern nun einmal sein sollen, können wir ruhig mal die Perspektive umkehren und etwas üben, dessen Sinn und Zweck sich uns (noch) nicht erschliesst. Wie schrieb der Dichter Fernando Pessoa? «Das Nutzlose und das Belanglose eröffnen in unserem wirklichen Leben Zwischenräume einer demütigen Statik.» Kinder wissen das intuitiv. Wörter wie «Superkalifragilistigexialigetisch» (juhui, geschafft!) gehören unbedingt dazu.