Tyrannosaurus hatte Zähne wie ein Sägemesser

US-Forscher haben untersucht, wie einer der grössten Fleischfresser der Erdgeschichte so erfolgreich sein konnte. Ein Vergleich der Zähne zeigt, warum Tyrannosaurus einen «knochenzerquetschenden Biss» hatte – und was anderen Raubtieren fehlt.

Nadja Podbregar
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Der fast sieben Tonnen schwere und dreizehn Meter lange Tyrannosaurus war das grösste Raubtier der Kreidezeit. Wen der vor 65 Millionen Jahren lebende Raubsaurier aber tatsächlich jagte und wie stark er zubeissen konnte, ist umstritten.

Wie gut konnte er beissen?

So bescheinigen einige Forscher dem Tyrannosaurus rex einen «knochenzerquetschenden Biss», während andere davon ausgehen, dass die Beisskraft des Urzeitriesen gerade einmal ausreichte, um Jungtiere oder Aas zu fressen. Erwachsene Beute scheint ihm dagegen ziemlich häufig entkommen zu sein, wie der Paläontologe Oliver Rauhut von der Ludwig-Maximilians-Universität München vor einigen Jahren feststellte. Seiner Ansicht nach jagte der Tyrannosaurus daher eher wie viele heutige Raubtiere auch: Er konzentrierte sich auf kranke, alte und junge Beutetiere.

Ein Zahn weckt Zweifel

Dem allerdings widerspricht ein Fund aus dem Jahr 2013: Damals hatten Paläontologen den Knochen eines rund dreizehn Meter langen Entenschnabel-Dinosauriers entdeckt, in dessen Schwanzknochen noch der Zahn eines Tyrannosaurus rex steckte – ein klarer Hinweis auf einen Angriff auf den pflanzenfressenden Koloss durch diesen Raubsaurier.

Kirstin Brink von der University of Toronto Missisauga und ihre Kollegen haben sich der Frage nach Beisskraft und Beutefang des Tyrannosaurus rex und einiger seiner Zeitgenossen nun auf andere Weise genähert: Sie untersuchten die Struktur der Zähne dieser Urzeiträuber.

Dazu fertigten sie Dünnschnittpräparate der Zähne von acht verschiedenen Raubsaurierarten an, darunter Tyrannosaurus rex, Allosaurus, Gorgosaurus und der sehr frühe und kleine Raubsaurier Coelophysis. Allein dieser Schritt war schon nicht ganz einfach, denn die Forscher mussten gezielt die Spitzen der Zähne erwischen.

Perfekte Zahnstruktur

Mit Hilfe eines Rasterelektronenmikroskops und speziellen Röntgenstrahlen analysierten sie Aufbau und Zusammensetzung der Dinobeisser. Die Analyse enthüllte Überraschendes: Tyrannosaurus rex und seine Kollegen besassen demnach eine einzigartige, perfekt auf den effektiven Beutefang ausgelegte Zahnstruktur. Die Spitze ihrer Zähne war tief eingekerbt und bildete so eine gesägte Schnittkante – ähnlich wie ein Steakmesser.

Dies ermöglichte es den Raubsauriern, ohne grosse Kraftanstrengung Muskeln, Sehnen und Knochen ihrer Beute zu zertrennen und das Fleisch von den Knochen zu reissen, wie die Forscher berichten. Ihre Untersuchungen ergaben zudem, dass sich die Zahnstruktur dieser Dinosaurier bereits bei den Jungtieren entwickelte, denn schon ihre noch nicht durchgebrochenen Zähne lassen die charakteristischen Zacken erkennen.

Nur oberflächlich ähnlich

Obwohl es viele Raubtiere gab und gibt, die grössere Beute reissen, scheint die Sägestruktur eine Eigenheit von Tyrannosaurus rex und anderen Raubsauriern gewesen zu sein. Andere ausgestorbene Raubtiere besassen zwar oberflächlich ähnliche Zahnformen, Im Zahninneren fehlte ihnen jedoch diese enorm stabile Gewebeanordnung.

Die einzige Ausnahme sind die Komodowarane Indonesiens: Diese bis zu drei Meter grossen Echsen besitzen diese steakmesserartigen Zähne ebenfalls. «Das Faszinierende daran ist, dass alle Tierzähne aus den gleichen Bausteinen bestehen», erklärt Kirstin Brink zum Tyrannosaurus. «Aber die Art, wie diese Bausteine zusammengefügt sind, um die Zahnstruktur zu bilden, beeinflusst entscheidend, wie dieses Tier sein Futter frisst.»