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TROCKENHEIT: Der Süden brennt und dorrt aus

In Teilen Portugals und Spaniens ist es dermassen trocken, dass die Wälder brennen und Wassernot herrscht. Über norditalienischen Städten liegt ein Smogschleier. In Südeuropa wird sich gemäss einer ETH-Studie die Wassernot verstärken.
Bruno Knellwolf
Portugal wird schon seit Monaten von Waldbränden heimgesucht, so wie hier Pampilhosa da Serra im Zentrum des Landes. (Bild: Paulo Novais/EPA)

Portugal wird schon seit Monaten von Waldbränden heimgesucht, so wie hier Pampilhosa da Serra im Zentrum des Landes. (Bild: Paulo Novais/EPA)

Bruno Knellwolf

Auf der iberischen Halbinsel herrscht grosse Trockenheit und wüten Waldbrände. Brandstifter nutzen die extreme Dürre in Spanien. In Portugal sind Dutzende von Menschen wegen der Waldbrände ums Leben gekommen. Besonders betroffen sind Nord- und Mittelportugal, die Bezirke Coimbra und Castelo Branco. Dort haben die Brände sogar schon zum zweiten Mal zu einer Katastrophe geführt. Von der Trockenheit ist auch Italien betroffen. Das italienische wissenschaftliche Institut CNR meldete, die Poebene sei wegen des trocken-sonnigen Wetters zu einem der Gebiete Europas mit der höchsten Luftverschmutzung geworden. Denn wegen der Trockenheit und der hohen Temperaturen hängt derzeit ein Smogschleier über vielen norditalienischen Städten.

«Trockenheit Ende des Sommers gehört in einem gewissen Sinne zwar zum Klima dieser Regionen», sagt Thomas Schlegel von der Abteilung Klima vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz. Denn der Sommer in Südeuropa sei grundsätzlich die trockenste Jahreszeit. Regen falle dort im grösseren Umfang generell erst im Winter. «Doch dieses Jahr war es im Sommer und teilweise auch schon im Frühling in Portugal, Südspanien und Italien noch trockener als üblich», sagt der Meteorologe. «Es fiel regional weniger als die Hälfte des üblichen eh schon geringen Niederschlages.»

Zusammen mit den überdurchschnittlichen Sommertemperaturen führte das gemäss dem Meteorologen zumindest phasenweise zu Dürre und Wassermangel, zum Beispiel in Rom während des Sommers. Im September gab es in Italien zwar Niederschläge. Und in Spanien sei es in den letzten Tagen an verschiedenen Orten zu schweren Gewittern gekommen mit lokalen Überflutungen, erklärt der Meteorologe von MeteoSchweiz. Für eine Entspannung reiche das aber noch nicht aus. Dafür brauche es während längerer Zeit Regen, erklärt Schlegel. «Immerhin steht nun klimatologisch die feuchtere Jahreszeit im Mittelmeerraum an.»

Zu trockene Böden auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz ist es momentan generell etwas zu trocken. Vor allem in den Böden, was nach Schlegel aber weniger mit fehlendem Niederschlag des bisherigen Jahres, sondern mit dem goldenen Herbst zu tun hat. In einigen Gebieten hat es bis am Sonntag über mehr als zwei Wochen nicht geregnet. «Dies betrifft insbesondere die Alpensüdseite, das Engadin sowie Gebiete des Wallis und der Westschweiz. In diesen Gebieten war auch schon der September unterdurchschnittlich nass.» Im Tessin gilt gemäss dem Bundesamt für Umwelt deshalb aktuell immer noch grosse Waldbrandgefahr. «In den zentralen und östlichen Gebieten hingegen war der September überdurchschnittlich nass, und es fielen auch im Oktober Niederschläge», sagt Schlegel.

Die Trockenheit ist zur Zeit somit vor allem in Südeuropa ein Problem, das sich im Zuge des Klimawandels weiter verstärken wird. «Basierend auf den aktuellen Klimaszenarien wird von einer Abnahme der Sommerniederschläge in Südeuropa ausgegangen», sagt Schlegel. Zusammen mit den generell weiter steigenden Temperaturen dürfte das zu einer Zunahme der Trockenheit führen. Nordeuropa wird wahrscheinlich nasser werden und Südeuropa trockener.

ETH-Studie sagt Wassernot in Südeuropa voraus

Eine soeben in der Fachzeitschrift «Nature Climate Change» publizierte Studie der ETH Zürich zeigt auf, dass es im Süden Europas trockener geworden ist, weil der Mensch mit seinem Treibhausgas-Ausstoss in den letzten Jahrzehnten einen Klimawandel provoziert hat. Das Verbrennen fossiler Energieträger wirkt sich auf die Süsswasser-Ressourcen aus und könnte zu vermehrter Wassernot führen. Jetzt schon sind die Wasservorräte knapp.

Auf die aktuelle Trockenheit in Südeuropa angesprochen, sagt Studienautor Lukas Gudmundsson von der ETH Zürich: «Ob ein bestimmtes Jahr in einer bestimmten Region aussergewöhnlich trocken ist, hängt von vielen Faktoren ab.» Zum einen gibt es eine natürliche Klimavariabilität, die eine mehr oder weniger zufällige Abfolge von nassen und trockenen Jahren zur Folge hat. «Schon allein wegen dieser natürlichen Klimavariabilität kann es auch zu einem aussergewöhnlich trockenen Jahr kommen», sagt Gudmundsson. Kommt dann noch der in der Studie nachgewiesene menschliche Einfluss auf das Klima dazu, steigt die Wahrscheinlichkeit für aussergewöhnlich trockene Jahre an.

«In einer Vorläuferstudie konnten wir tatsächlich zeigen, dass das Risiko für aussergewöhnlich trockene Jahre im Mittelmeerraum als Folge der globalen Erwärmung zugenommen hat», sagt Gudmundsson. Aufgrund der zu erwartenden Trockenheit in Südeuropa zeichnet sich die Notwendigkeit ab, ein «schlaues Wassermanagement» einzurichten. Zum Beispiel, dass man die Bewässerung in der Landwirtschaft an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen müsse.

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