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TRINKWASSER: Angst um unser Hahnenburger

Heute wird in Bern die Trinkwasser-Initiative eingereicht. Unser Wasser soll frei von Pestiziden sein. Unser Hahnenburger hat aber gute Qualität, das Wasser in Bächen dagegen eher nicht.
Bruno Knellwolf
Schweizerinnen und Schweizer sind stolz auf ihr reines Trinkwasser – und wollen das auch bleiben. (Bild: Anthony Sejourne/Getty)

Schweizerinnen und Schweizer sind stolz auf ihr reines Trinkwasser – und wollen das auch bleiben. (Bild: Anthony Sejourne/Getty)

Bruno Knellwolf

Skeptisch stehen wir vor dem Hotel-Lavabo mit der Zahnpasta in der Hand. Ist das Wasser in diesem fernen Ferienort sauber, oder soll man seine Zähne doch besser mit dem Mineralwasser aus der Flasche spülen? Solche Fragen plagen uns in der Schweiz nicht, bedenkenlos setzen wir zum Schluck Hahnenwasser an. Zweifel sät die Trinkwasser-Initiative, die heute eingereicht wird. Sie will unser Hahnenwasser vor Pestiziden schützen. Findet man tatsächlich Spuren davon im Trinkwasser? Möglich sei das schon, sagt Christian Stamm vom Wasserforschungsinstitut Eawag. «Aber trotzdem kann man in der Schweiz unser Hahnenburger überall mit gutem Gewissen trinken», sagt der Umweltforscher. «Die Konzentrationen sind so tief, so viel Wasser kann man gar nicht trinken, dass die Schadstoffe ein Problem werden könnten. Das Trinken ist risikolos.»

Alles bestens also? Nein. Nicht umsonst hat der Bundesrat im September 2017 den «Aktionsplan Pflanzenschutz» ins Leben gerufen, der sauberes Trinkwasser sichern soll. Denn ein grosser Teil der Bevölkerung will gar keine Pestizide im Trinkwasser. Und das ist auch das Ziel des Aktionsplans.

Pestizide im Grundwasser

Wird intensiver Ackerbau oder Gemüseanbau betrieben, finden die Eawag-Forscher Pestizide im Grundwasser in allen Landesteilen. «Häufig sind das ein paar wenige Substanzen. Meistens Herbizide, die in grossen Mengen grossflächig ausgebracht worden sind und genügend langlebig sind, damit sie bis ins Grundwasser gelangen», sagt Stamm. Denn eigentlich ist der Boden ein guter Filter, in denen sich die Fremdstoffe abbauen. Aus diesem Grund findet man im Grundwasser meist nicht das Ausgangsprodukt, sondern ein Umwandlungsprodukt, das in der Regel weniger giftig ist. Herbizide werden auch im Obstbau eingesetzt. «Dort findet man eine breite Mischung von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden in den angrenzenden Gewässern. In einer Saison können wir jeweils etwa 40 Herbizide nachweisen, 25 bis 30 Fungizide und 10 bis 15 Insektizide», sagt Stamm.

«Von den gesamthaft gespritzten Substanzen landet allerdings nur ganz wenig in Flüssen und Seen. 99,5 Prozent davon werden abgebaut und umgewandelt. Sonst wären die Bäche tot», sagt Stamm. Die einfliessenden 0,5 Prozent sind aber trotzdem problematisch, weil die Lebewesen im Wasser den Schadstoffen ganzzeitig ausgeliefert sind.

Gewisse Herbizide können zudem eine Langzeitwirkung haben. Sie verharren im Boden und können nachfolgende Kulturen schädigen. Dass solche Schadstoffe später ins Grundwasser oder Flüsse gelangen, ist aber kaum der Fall. Die Konzentrationen in den Gewässern sind dann hoch, wenn gerade gespritzt wird, gehen danach aber schnell zurück. Allerdings: «Die Messungen zeigen, dass die Perioden, in denen solche Substanzen in der Landwirtschaft angewendet werden, immer länger werden. Von Anfang März bis Ende August.» Die Organismen im Wasser haben dementsprechend keine Erholungsphasen mehr. «Je grösser der Anteil an Ackerbau im Einzugsgebiet, desto geringer ist der Anteil an wirbellosen Tieren.» Der Aktionsplan des Bundes, setzt auf rund fünfzig Massnahmen. Das beginnt bei einer schärferen Zulassungspraxis. Immer noch dürfen Mittel gespritzt werden, die zu toxisch sind. «Dann gibt es ein Vollzugsdefizit», sagt Stamm. Zum Beispiel werden Gewässerabstände in Rebbergen beim Spritzen nicht eingehalten, ohne dass jemand einschreitet. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es auch mit der Entwicklung von Sorten, die weniger anfällig auf Krankheiten sind und dementsprechend weniger Pflanzenschutzmittel nötig machen.

Die Trinkwasser-Initiative möchte gar keine Pestizide mehr, was aus Sicht des Gewässerschutzes natürlich zu begrüssen wäre. Doch Pflanzenschutz sei für die Nahrungsmittelproduktion lebensnotwendig. Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz: «Das beisst sich zum Teil. Es ist eine Frage der Gewichtung», sagt Stamm. Wären viele Menschen bereit, für pestizidfreie Bioprodukte genug zu bezahlen, hätte das sicher positive Effekte auf das Wasser. Doch der Ball liege nicht nur bei den Bauern, sondern auch bei den Konsumenten, die oft nur 1-a-Klasse-Früchte wollten. Auch die Vermeidung von Food-Waste würde den Druck auf die Produktion verringern und dazu führen, dass weniger gespritzt werden müsste, sagt Stamm.

In der «Zeit» hat die Lausanner Ökotoxologin Nathalie Chèvre letzthin auf die Frage, was der Einzelne fürs Wasser tun könne, geraten, Salben und Schminke wegzuwerfen, die man nicht unbedingt brauche. Denn auch Substanzen aus Medikamenten, Drogen und Kosmetika kommen ins Wasser. «Bezogen auf die Länge unseres Gewässernetzes ist dieser Anteil allerdings viel kleiner als jener der Landwirtschaft», sagt Stamm. Zudem würden diese Schadstoffe in den modernsten Kläranlagen mit Aktivkohle und Ozonierung gut abgebaut.

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