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TOURNEE: «Pilzli» sind von gestern

Peach Weber bringt keinen Gag zweimal. Nicht nur, weil er die Pointe gleich wieder vergisst.
Desirée Müller
Am 27. September kommt Peach Weber ins Casino Herisau.

Am 27. September kommt Peach Weber ins Casino Herisau.

Vor genau vierzig Jahren tigerte Peach Weber im Künstlerbereich des «Pop Rocky»-Talentwettbewerbs nervös auf und ab und überlegte, wie er sich heimlich rausschleichen könnte. «Die anderen Kandidaten waren alle viel besser als ich, und mir war klar, dass ich mich vollkommen blamieren werde auf der Bühne», war sich der damals 25-jährige Lehrer sicher. Der Weg in die «Freiheit» führte aber über die Bühne, und so stand Peach, mit bürgerlichem Namen Peter, seinen Mann. «Wenn ich schon nicht mit meiner Stimme punkten konnte, wollte ich wenigstens einen sympathischen Eindruck machen», so sein Plan. Dass er es überhaupt so weit schaffte, war für ihn ein Rätsel. Peach Webers von Natur aus lustige Art kam beim Publikum gut an. «Die dachten im Ernst, dass ich Komiker bin. Doch ich bewarb mich eigentlich wegen meiner Musik», lacht der 64-Jährige heute.

Peach Weber live in der Ostschweiz

27. September – Casino Herisau
22. November – Kreuz, Rapperswil
23. November – Stadtsaal Wil

Der für ihn überraschend geglückte Auftritt brachte ihm den zweiten Platz ein – und viele Engagements an Dorffesten. Trotz steigender Beliebtheit behielt Peach Weber seinen Lehrer-Job. Die Schulpflege hatte jedoch nur bedingt Freude an Lehrer Weber. Der «Hippie-Typ», wie sich Peach selbst nennt, lachte stets am lautesten, wenn seine Schüler unaufgefordert etwas Lustiges in die Schulstunde riefen, und auch sonst passte er mit seinen langen Wuschelhaaren und seinen Sprüchen weniger ins klassische Bild eines Lehrers.

Keine grossen Versprechungen

«Ich dachte immer: So, jetzt ist’s dann vorbei mit dem Interesse der Leute.» Dem war aber überhaupt nicht so. Also legte er ein Jahr Pause als Lehrer ein. «Aus einem wurden vierzig Jahre Pause.»

Sein Erfolgsrezept sieht er darin, dass er nie verbissen auf Erfolg aus war. «Die Leute, die zu meinen Auftritten kommen, sind alle freiwillig da. Wenn sie meine Gags nicht ­lustig finden, ist das nicht mein Problem.» Auch verspricht er bezüglich seiner neuen Programme nie zu viel. So auch bei seinem neuesten Werk «iPeach». Mit der digitalen Welt hat sein Programm übrigens wenig am Hut. Lediglich ein, zwei Gags handeln wirklich davon. Ein Motto gebe es ohnehin nie. «Ich springe von einem Thema zum nächsten.» In der Tour-Mitteilung verspricht er, dass beim neuen Programm alles beim Alten bleibe, er nur neue Socken tragen und ein Salami- statt Schinkensandwich vor den Auftritten essen werde.

Dass er dabei geflunkert hat, dürfte jedem klar sein. Denn: «Ich bringe bei einem neuen Programm nie alte Lieder oder Gags. Alles 100 Prozent neu.» Auch deshalb, weil es seine «Gehirnkapazität» nicht erlaube, sich nebst den neuen auch an die alten Lieder zu erinnern. «Wenn ich mit einem neuen Programm unterwegs bin, weiss ich nicht mal mehr den Text von ‹Öberrall heds Pilzli draa›.» Sein Stil ist aber in der Tat seit bald einem halben Jahrhundert der gleiche. «Never change a running system», ist Peach Weber überzeugt.

Kleinen Augen sei Dank

Seine gesunde, stressfreie Einstellung hat sich bis heute bewährt. Die meisten Komiker oder Musiker nehmen das Notenblatt nicht mit auf die Bühne. Peach tut es. «Ich habe kleine Augen und so merkt man nicht, wenn ich aufs Blatt schiele.» Jedoch brauche er nur selten zu spicken. «Hätte ich die Blätter jedoch nicht bei mir, wüsste ich wahrscheinlich keine Strophe.» Lampenfieber kennt «der Schweiz bärtigster Humorist» aber nicht. «Alle sagen, dass ein guter Unterhalter oder Künstler Lampenfieber haben muss, um gut zu sein. Einige müssen sich anscheinend sogar übergeben», sagt er und schüttelt den Kopf. «Die meinen wohl, dass sie unbedingt alle Besucher von sich überzeugen müssen, um Erfolg zu haben.» Peach hingegen stellt klar: «Wenn man mich nicht mehr lustig findet, hör ich sofort auf. Kein Problem für mich.» All die Jahre hatte der Komiker immer im Hinterkopf, bei einem Misserfolg wieder als Lehrer arbeiten zu können. «Vor allem Schauspieler machen oft keine Grundausbildung. Kein Wunder sind die so nervös.»

Seit der Geburt seiner Tochter Nina hat Peach nie mehr an den Wochenenden gearbeitet. «Die Zeit mit ihr ist mir eine Million Mal wichtiger, als Geld bei einem Auftritt zu verdienen.» Sobald er beginnt, von seiner 24-jährigen Tochter zu sprechen, strahlt er. Sie ist die einzige Frau in seinem Leben. An Angeboten mangle es nicht. Liebesbriefe seien nichts Seltenes in seinem Briefkasten. Früher traf er sich ab und zu mit Damen auf einen Kaffee. «Mit denen, die im Brief versicherten, dass sie nur neue Freundschaften suchen. Denkste! Die waren die schlimmsten.» Peach Weber beantwortet die Briefe aber alle. Auch Demo-Tapes von jungen Musikern erhalte er immer wieder mal. Mit anderen Künstlern in seiner Branche habe er wenig zu tun. Aber natürlich schaue er sich gerne Auf­tritte von Marco Rima, Divertimento und Co. an. «Und wir senden uns, wenn angebracht, auch ein Glückwunsch-SMS.»

Gags stiehlt Peach «nur» im Ausland. «Wenn ich einen guten Spruch bei einem polnischen Komiker höre, klaue ich den, ohne mit der Wimper zu zucken», sagt er und lacht. Umgekehrt sei es nicht anders. «Von mir wurden auch schon Witze übernommen. Aber das macht mir nichts aus.»

Der Weltrekord ist geschafft

Eigentlich könnte Peach das Leben bald als Pensionär geniessen. Solange er noch könne und wolle, bleibe er den Fans aber auf der Bühne erhalten. Das grosse Finale steht ohnehin noch an – am 15. Oktober 2027 im Hallenstadion, einen Tag nach seinem 75. Geburtstag. Eine Schnapsidee seines Bruders: «Er fragte bei Ticketcorner an, ob sie so viele Jahre im Voraus schon einen Verkauf starten würden.» Mittlerweile ist das Hallenstadion längst ausgebucht, der Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde ist gesichert. «Jetzt heisst es gesund bleiben!»

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