Tödlicher Schnappreflex

Würde der Hecht eingekerkert, er müsste sich zu den ganz schlimmen Knackis gesellen. Immerhin heisst die Anklage Kannibalismus und Kindermord.

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long pike on white background (Bild: WITOLD_KRASOWSKI (42410394))

long pike on white background (Bild: WITOLD_KRASOWSKI (42410394))

Würde der Hecht eingekerkert, er müsste sich zu den ganz schlimmen Knackis gesellen. Immerhin heisst die Anklage Kannibalismus und Kindermord.

Süsswasserhai ist sein Übername und das mit gutem Grund. Der bis zu 1,5 Meter lange Hecht ist sehr muskulös, 60 Prozent seines Körpers bestehen aus Muskelmasse. Am Tatort versteckt er sich zwischen Wasserpflanzen und lauert auf Beute. Dieser bleibt keine Chance, wenn der gut getarnte Fisch von null auf dreissig Kilometer pro Stunde beschleunigt und gnadenlos zubeisst.

Sein Körper ist wie ein Torpedo, seine kräftigen Schwanz-, Rücken- und Afterflossen ermöglichen dem Hecht einen Katapultstart.

Im Unterkiefer trägt er grosse, spitze Zähne, jene im Oberkiefer sind nach hinten gerichtet. Hat er sein Opfer gepackt, gibt es somit kein Entrinnen mehr, auch nicht für glitschige Fische oder Frösche. Der Hecht dreht die Beute dann im Maul und verschlingt sie mit dem Kopf voran als Ganzes. Hechte haben einen Schnappreflex. Sie schnappen nach allem, was sich im Wasser bewegt – auch nach Bananenschalen und Artgenossen, deshalb blüht ihm die erweiterte Anklage des Kannibalismus. Es wird geschätzt, dass bis zu neunzig Prozent aller jungen Hechte von Artgenossen gefressen werden. Dran glauben müssen aber auch Küken von Enten, Bläss- und Teichhühnern.

Und die Hecht-Männchen müssen sich speziell vor den kannibalistischen Frauen in Acht nehmen: Kleinere Hechtmännchen werden nämlich oft von den generell grösseren Weibchen gefressen. Zum Glück für die Männchen haben die Weibchen während der Paarungszeit eine natürliche Fresshemmung.