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TIERE: Es gibt keine Wildpferde mehr

Bislang galten Przewalski-Pferde als die letzten Wildpferde der Welt. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass das keine wilden, sondern nur verwilderte Nachfahren sind.
Andrea Barthélémy, (dpa)
Verwildert, aber nicht ursprünglich. Rare Przewalski-Pferde. (Bild: KEY)

Verwildert, aber nicht ursprünglich. Rare Przewalski-Pferde. (Bild: KEY)

Die robusten Tiere mit ihren dicken Fellen und Borstenmähnen sind gar keine echten Wildpferde. Die Przewalski-Pferde sind – ähnlich wie Mustangs – nur verwildert, wie internationale Forscher im «Science» berichten. Und: Echte Wildpferde gibt es demnach nicht mehr auf der Welt. Sandra Olsen von der University of Kansas leitete die Ausgrabungen an den historischen Botai-Orten im nördlichen Kasachstan. Mit der Analyse der gefundenen Pferdeüberbleibsel wollten die Forscher eigentlich die Herkunft moderner domestizierter Pferde nachweisen.

Doch als die Forscher die Genome von 88 historischen und modernen Pferden analysiert hatten, kam heraus: Die Pferde, die das sesshafte Volk der Botai vor rund 5500 Jahren in Kasachstan erstmals zähmte, waren die Vorfahren der Przewalski-Pferde.

Diese sind heute fast ausgestorben. Es gibt Zuchtprogramme, vereinzelt wurden sie in der Mongolei sogar wieder ausgewildert. Einst bevölkerten sie die Steppen Eurasiens. Vermutlich im östlichen Kasachstan oder der westlichen Mongolei hätten sich vereinzelte Sprösslinge der Botai-Pferde wieder in die Wildnis abgesetzt, folgern die Forscher.

Bei dieser Verwilderung ging auch das schwarz-weisse Leopardenmuster der Botai-Pferde wieder verloren. Möglicherweise sei dies durch natürliche Selektion geschehen, denn die Genvariante für die schwarz-weisse Fellfarbe sei zugleich auch für Nachtblindheit verantwortlich.

Im Vergleich mit den 20 untersuchten Botai-Genomen trat beim Erbgut moderner eurasischer Pferde aus den vergangenen 4000 Jahren dann die zweite Überraschung zutage: Es fand sich keinerlei Übereinstimmung mit den historischen Botai-Pferden. Der Ursprung unserer heutigen Pferde liegt bis auf weiteres also wieder im dunkeln. Die Forscher schätzen jedoch, dass spätestens um etwa 3000 vor Christus eine andere Gruppe Pferde als Vorfahren unserer heutigen Pferde diente. Im Fokus für die weitere Suche liegen nun Gebiete in Zentralasien, im Westen der Eurasischen Steppe (Pontokaspis) und in Anatolien.

Alissa Mittnik vom Max-Planck-Institut hält eine zweite Domestizierung der Pferde in Osteuropa für denkbar. Zwar fehlten Pferdegenome aus dem 3. Jahrtausend vor Christus. Aber Menschengenome und archäologische Funde zeigten, dass sich Menschen von der Pontokaspis nach Zentraleuropa ausbreiteten. Pferde als Transporttiere könnten dabei geholfen haben. «Dazu kommt, dass die ältesten bekannten Pferdegenome, die zur heute domestizierten Linie gehören, aus Osteuropa stammen.»

Andrea Barthélémy, (dpa)

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