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THEATER: «Trinken wir auf alles»

Mit der Bühnenfassung von Finn-Ole Heinrichs Jugendroman «Räuberhände» gelingt dem Theater St. Gallen dank idealer Besetzung mit Dimitri Stapfer und Kay Kysela eine energiegeladene Premiere.

Erschöpft und ernüchtert tönt es am Ende, Samuel sagt es aber auch versöhnlich: «Serefe! Trinked mir uf alles.» Nach fast eineinhalb Stunden gönnt man dies von Herzen – dem jungen Publikum, das zurecht ungestüm applaudiert und den beiden ausgepowerten jungen Schauspielern Dimitri Stapfer und Kay Kysela. Die beiden haben sich als dicke Freunde Janik und Samuel angeschrien, gerauft, gepiesackt und verhöhnt, herumgeblödelt, geherzt und umarmt, Aufmunterung brüsk zurückgewiesen und Schuld eingestanden.

Wenig braucht es an Requisiten, um die wütende Sehnsuchtsreise nach Istanbul anzudeuten: Blaue Plastikkanister auf dem Boden, einige zu einem Floss zusammengebunden, ein Kissen und ein Loop-Gerät für Beatbox-Einlagen. Beim Floss mag man an Tom-Sawyer-Romantik denken. Aber «Räuberhände» handelt von einer viel heftigeren Entwurzelung. Samuel und Janik sind auf Maturareise – auf eigene Faust: Denn Samuel will seinen Vater suchen, den er nie kennen gelernt hat. Er, der ständig an seinen Fingern nagt, sucht zwanghaft eine neue Identität als Türke. Seine Mutter ist hoffnungslose Alkoholikerin, er wohnt seit Jahren bei seinem Schulfreund Janik. Kuschelkind und Adoptivkind, man könnte auch Weichei und Zyniker sagen – beide sind zornig auf ihre Eltern und sehnen sich doch uneingestanden nach deren Liebe. Und weil Janik einen grossen Fehler gemacht hat, nämlich mit Samuels Mutter gefickt hat, wird die Sache noch explosiver. Deshalb ist wildes Tanzen, Party, überbordendes Lachen immerzu beides: Ausdruck überschäumender Lebensenergie und das Zudecken von Problemen.

Theater macht Türe auf zu frischem Jugendtheater

Das ist zwar ein bisschen arg viel auf die Geschichte draufgepackt. Aber die Energie, mit der Stapfer und Kysela sich in den Ringkampf dieser unbedingten und unverbrüchlichen Freundschaft werfen, ist schon toll. Den ruppigen Kumpel-Charme trifft der Text deshalb gut: «Schlaf guet» wird mit «Fick di» quittiert. An der Premiere füllten mehrere Schulklassen die Lokremise. Unüberhörbar das Kichern über explizite sexuelle Andeutungen und die Gespräche nach der Aufführung über naheliegende psychologische Interpretationen. Hier hat das Theater St. Gallen eine Türe aufgemacht zu einem prallen, vielleicht etwas überdeutlichen jungen Theater, das aber direkt an die Gefühlswelt heutiger Jugendlicher andockt. Damit füllt es die Lücke zwischen Kindertheater und anspruchsvollen Erwachsenenstücken. Man erinnert sich deshalb auch sehr gerne an den Jugend-Hamlet (übrigens auch von Dimitri Stapfer gespielt)im Studio in der letzten Saison. Gerne mehr davon.

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler@tagblatt.ch

Hinweis

Weitere Aufführungen: 6., 9., 16., 20., 23., 28. März im Studio des Theaters St. Gallen.

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