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THEATER: Ein sympathisch-cooler Konservativer

Inhaltlich etwas harmlos, aber szenisch attraktiv setzt der St. Galler Schauspieler Alexandre Pelichet den Bestsellerroman «Das Leben ist gut» von Alex Capus in der Kellerbühne St. Gallen in ein Solo-Erzählstück um.
Hansruedi.kugler
Alexandre Pelichet als Barbesitzer Max. (Bild: PD)

Alexandre Pelichet als Barbesitzer Max. (Bild: PD)

Scheint ein langer Abend gewesen zu sein, hinter dem Tresen. Schützengarten-Harasse stapeln sich auf der Bühne, leere Flaschen liegen herum. Müde schaut der schlaksige Alexandre Pelichet drein, blinzelt aber verschmitzt ins Publikum. Denn als Max aus Alex Capus’ Roman hat er eine Menge zu erzählen: von seiner Frau, die nach 25 Jahren Ehe zum ersten Mal für ein paar Tage wegfährt und die er schon Stunden nach ihrer Abfahrt vermisst; von seinen skurrilen, melancholischen Gästen; von seinem Freund Miguel und dem unseligen Stierkopf an der Wand hinter der Bar, der zur Prüfung ihrer Freundschaft wird. Selbstzufrieden und entspannt schlurft Pelichet herum, räumt die Flaschen in den Altglaskorb. Hier ist sein Reich, sein Lebensmittelpunkt. Die Welt kommt zu ihm: unglückliche Migranten, Abenteurer, Verliebte. Für fast alle hat er einen warmherzigen Blick. Er selbst hat kein Bedürfnis, wegzugehen. «Ich muss das nicht» tönt so zufrieden, dass man merkt: Hier steht ein Alltagsphilosoph, ein weiser Lebenspraktiker vor einem. Wenn Pelichet spielt, denkt man: So wäre ein Konservativer ohne Verbissenheit wahnsinnig sympathisch. Altglas entsorgen mache Sinn, Romane schreiben, sein Hauptberuf, weniger: «Man sollte dem Leben selbst Schönheit einhauchen, statt es mit Kunst auf­zuhübschen wie einen Weihnachtsbaum.» Etwas harmlos kommt die Bühnenfassung daher. Alex Capus hatte mehr Zwiespältigkeit, Illoyalität und falsche ­Sozialromantik in die Figur gelegt. Diese Szenen vermisst man. Eine Freude ist aber, Pelichet zuzusehen, wie er Elan und Behäbigkeit, Coolness und neckische Anhänglichkeit, Selbst­zweifel und Stoizismus zusammenbringt und der Figur etwas sympathisch Jungenhaftes gibt. Hübsch ist das Bühnenbild: Die Harasse werden zur Theke, auf der Pelichet sich aufstützend mit Witz über Freuden und Leiden des Kleinstadtlebens sinniert; dann werden sie zum Fenster­rahmen, wo er mit seinem Freund Miguel dem Unausweichlichen ins Auge blickt.

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler

@tagblatt.ch

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