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Kommentar

Tag der Frau: Frauen, sperrt euch nicht selber ins Laufgitter

2018 halten Frauen und Männer noch immer an alten Geschlechterrollen fest. Um das zu ändern brauchen Frauen keine neuen Gleichstellungsgesetze, keine Quoten, Frauen brauchen gleichberechtigte Männer. Das schreibt Katja Fischer, Ressortleiterin Focus, in ihrem Kommentar zum Tag der Frau.
Starke Frauen wünschen sich gleichberechtigte Männer an ihrer Seite. (Bild: The U.S. National Archives)

Starke Frauen wünschen sich gleichberechtigte Männer an ihrer Seite. (Bild: The U.S. National Archives)

Als die Basler Journalistin Iris von Roten 1958 ein Buch mit dem Titel «Frauen im Laufgitter» herausbrachte, überschlugen sich die Schlagzeilen.Es war die Rede von der «Männerhasserin». Die ein falsches Buch zur falschen Zeit geschrieben habe.

Tatsächlich war Iris von Roten ihrer Zeit Jahrzehnte voraus. Radikal forderte sie die Gleichstellung der Frau in allen Bereichen. Die volle Berufstätigkeit der Frau war für sie unabdingbar, damit diese wirklich frei über ihr Leben bestimmen könne. Dass dies auch für Mütter gelten müsse, war für eine der ersten promovierten Juristinnen der Schweiz keine Frage. «Für die private Atmosphäre des Familienlebens ist es nicht nötig, dass die ‹Frau und Mutter› als des Weibes natürliches Los stundenlang mit Geschirr klappert und Staub wedelt», schrieb sie.


Davon fühlten sich nicht nur Männer bedroht, auch fast alle Frauenverbände lehnten das Buch ab. Und heute? Wo steht die Schweizer Frau 2018? Mit der einen Hand klappert sie immer noch mit dem Geschirr, mit der anderen versucht sie die gläserne Decke zu durchstossen und gleichzeitig Hände von ihrem Knie zu schieben. Ein Kampf jeden Tag. Der grosse Vereinbarungsmythos. In der Schweiz des 21. Jahrhunderts kleben Frauen wie Männer an alten Geschlechterrollen. Nur 14 Prozent der Schweizer Väter arbeiten Teilzeit. Bei Umfragen, etwa von Pro Familia, geben aber mehr als 80 Prozent der Männer an, gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu wollen. Die Gleichstellung von Mann und Frau bei der Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit – sie verharrt seit Jahren im Konjunktiv. Beide Geschlechter wüssten, was zu tun wäre, und tun es viel zu wenig. Das gilt auch für die Frauen selbst. Dass bei 59 Prozent der Schweizer Unternehmen keine Frau in der Geschäftsleitung sitzt, ist nicht nur die Schuld der Männer.

Noch immer bestimmen traditionelle Vorstellungen, wie Buben und Mädchen zu sein haben, die Berufs- und Partnerwahl. Mädchen wählen schlechter bezahlte Frauenberufe, Jungen besser bezahlte Männerberufe. Noch immer heiraten Frauen häufig einen Partner, der scheinbar über ihnen steht. Noch immer sehen sich Männer als Ernährer und Beschützer. Noch immer glauben Frauen Umsorgerinnen und Hausfrauen sein zu müssen. Wobei rein gar nichts dagegen spricht, dass eine Frau Vollzeit-Mutter und Hausfrau sein möchte. Die Frage ist nur, aus welchen Gründen tut sie es? Weil sie glaubt, dass dies von einer guten Mutter erwartet wird? Weil seine Karriere wichtiger ist als ihre? Weil der Mann für das Aufziehen der Kinder unmöglich in Frage kommt? Oder weil beide Partner diese Aufteilung aus Überzeugung so wollen?

So lange Frauen selber glauben, dass das Geschlecht bestimmt, wer das Geld nach Hause bringt und wer die Kinder erzieht, so lange wird auch der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau bestehen. Frauen gehen in Mutterschaftsurlaub, Frauen arbeiten Teilzeit. Frauen bleiben zu Hause, wenn ihre Kinder krank sind. Viele Väter haben kein schlechtes Gewissen, wenn sie 50 Stunden in der Woche arbeiten. Müttern wird ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn sie mehr als 50 Prozent arbeiten.

Frau sein und gleichberechtigt – das geht. Mutter und tatsächlich gleichberechtigt sein, also frei in der Wahl des Lebens- und Arbeitsmodells, das ist auch 2018 sehr, sehr schwierig.

Was wir Frauen 2018 brauchen, sind keine neuen Gleichstellungsgesetze, keine Quoten, wir brauchen gleichberechtigte Männer. Wir brauchen sie als Väter, denen man zu Hause etwas zu- und anvertrauen kann. Wir brauchen Männer, die ihre Kinder selber von der Krippe abholen und auch mal zu Hause bleiben, wenn das Baby fiebrig ist. Männer, die keine Ernährer und Beschützer sein wollen, sondern Partner auf Augenhöhe. Und wir brauchen Frauen, die ihre Chance packen und sich nicht selbst ins Laufgitter sperren.

Katja Fischer De Santi
katja.fischer@tagblatt.ch

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